Mensch-Maschine
Maschinen werden von Menschen konstruiert, und es gibt im Alltag die unterschiedlichsten Situationen, in denen wir heute auf Maschinen angewiesen sind. Im frühen Industriezeitalter gab es Maschinenstürmerei - aus ökonomischer Angst vor dem Verlust der (Hand)arbeit, und später erfanden Science fiction-Autoren immer wieder ein Horror-Szenario, wie sich eine Maschine verselbständigt und über den Menschen triumphiert. Fortschrittsglaube und Technikfeindlichkeit hielten sich geistesgeschichtlich im Maschinenzeitalter die Waage.
Zu diesen Aspekten führt das Künstlerhaus Schloss Balmoral in Bad Ems eine Vortragsreihe „Mensch-Maschine" durch. Nächste Termine: 24. September 2010, 19.30 Uhr, Martin Dresler, Max-Planck-Institut für Psychiatrie München: „Maschinenträume - kann die moderne Hirnbildgebung unsere Gedanken und Träume lesen?" und 5. Oktober 2010, 19.30 Uhr, Prof. Dr. Christoph Hubig, Technische Universität Darmstadt: „Der Technomorphismus der Technikphilosophie und seine Alternativen in der Kunst".
Klimaflüchtlingslager
Am Sonntag, den 17. Juli 2010, luden Baden-Württembergs Justiz-Institute zum „Tag der Offenen Tür" ein. Unter den Gefängnissen, die man besichtigen konnte, hatte der „Kachelmann-Knast" den größten Zulauf, wie die Mannheimer JVA von der Boulevardpresse wegen des dort einsitzenden U-Häftlings Jörg Kachelmann apostrophiert wurde. Der Künstler Hermann-Josef Hack lenkte derweil die Aufmerksamkeit auf den Platz vor dem Stuttgarter Justizministerium, wo als Attraktionen zum „Tag der Offenen Tür" ein Polizeiwagen und ein Gefangenentransporter abgestellt waren.
Hack ergänzte das Ensemble um seine „Klimaflüchtlingslager"-Zelte, die er über den gesamten Platz ausbreitete, um auf die Gefahren des drohenden Klimawandels aufmerksam zu machen. Der Streifenwagen bot eine willkommene Kulisse für ein Erinnerungsfoto, auf dem Hack als Gag in jener Körperhaltung posiert, die man bei einer polizeilichen Leibesvisitation einnehmen muss.
Fourth Plinth
Vier große Steinsockel rahmen den Londoner Trafalgar Square ein. Drei von ihnen dienen als Standfläche für die Statuen, die verdiente Politiker und Militärs darstellen. Der vierte Sockel blieb hingegen leer, weil man sich seinerzeit nicht darauf einigen konnte, welche Persönlichkeit hier mit einem Denkmal geehrt werden sollte. Seit 1998 dürfen Künstler mit temporären Inszenierungen den leeren „Fourth Plinth" bespielen.
Als erster stellte der Künstler Mark Wallinger dort ein Jahr lang einen Marmor-Christus auf. Derzeit erinnert Shinka Yonibare mit einer Skulptur in Form eines überdimensionalen Buddelschiffes, an die Schlacht von Trafalgar. Im Herbst 2010 erfolgt die nächste Auswahl aus den Bewerbungen, wer dann zur Olympiade 2012 den Sockel mit einem Werk bestücken darf. Auf der Liste stehen Katharina Fritsch, Mariele Neudecker, Elmgreen/Dragset, Hew Locke, Brian Griffiths und Jennifer Allora/Guillermo Calzadilla.
Regionale 2010
Alle zwei Jahre führen das Wilhelm-Hack-Museum und der Kunstverein Ludwigshafen zusammen mit der Kunsthalle und dem Kunstverein in Mannheim eine jurierte Ausstellung mit Künstlern der Rhein-Neckar-Region durch. Die diesjährige „Regionale 2010" mit 61 ausgewählten künstlerischen Positionen dauert vom 31. Juli bis zum 9. September 2010.
Collaboration
In Nordrhein-Westfalen ging kürzlich ein zweijähriges Modellprojekt der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine (ADKV) zu Ende. Kooperationspartner war die frühere NRW-Landesregierung. Dieses „Collaboration"-Projekt verstand sich als Versuchsplattform und Forschungsvorhaben zum „aktiven Austausch" zwischen Künstlern und Kunstvermittlern auf der einen und dem Publikum auf der anderen Seite: „Ziel ist es, Vermittlungskonzepte anzuregen, die sich durch eine Vielfalt unterschiedlicher Themen, Methoden und Formate auszeichnen und individuell auf Kontext, Zeit und Raum der jeweiligen Institution und deren Programm abgestimmt sind. Besonders wird die Zusammenarbeit mit solchen gesellschaftlichen Gruppen gesucht, die selten oder nie in einen Kunstverein gehen."
Die Erfahrungen der teilnehmenden Kunstvereine sind in einer Publikation dokumentiert: „COLLABORATION.Vermittlung.Kunst.Verein", Ein Modellprojekt zur zeitgemäßen Kunstvermittlung an Kunstvereinen in Nordrhein-Westfalen, Hrsg.: Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine (ADKV), Salon Verlag Köln, 2010, 128 S., 14,90 Euro, ISBN 978-3-89770-321-6, mit Beiträgen von: Leonie Baumann, Carina Herring, Claudia Hummel, Nora Sternfeld und Ingrid Stoppa-Sehlbach.
Pantheon
Die Künstlergruppe „Die Weissenhofer" (Uwe Schäfer, Matthias Beckmann, Jörg Mandernach) inszenierte im Berliner Kunstraum „Neues Problem" ein „Pantheon" mit den Helden der europäischen Geistesgeschichte und des Kulturbetriebs. In die Ruhmeshalle wurden u.a. Franz von Assisi und Albrecht Dürer aufgenommen, aber auch die Wild-West-Heldin Calamity Jane und der Blues-Musiker Lightnin' Hopkins. Zur Ausstellung durfte jeder Besucher ein Bild von seinem persönlichen Helden mitbringen und mit einem Weissenhofer-Brandzeichen markieren lassen.
Angst Reisen
Nicht auf die Geisterbahn, sondern in die Umgebung von Halle/Saale ging es am 17. Juli 2010 mit dem „Angst Reisen"-Bus. Die Bustour zu einer ehemaligen Stasi-Telefonanlage im Kreis Köthen und anderen Orten, an denen Künstlerprojekte stattfanden, hatte die Initiative „KunstrePublik" organisiert.
Während der Künstler Steven Rowell bei dem Buss-Stopp die Stasi-Lauschanlage wieder in Betrieb nahm, lotste seine Kollegin Ella Ziegler die Fahrgäste zu Wildlingen in Halle, die sie zu Apfelbäumen veredelt hatte. Die Edelreiser hatte sie vorher auf dem Schwarzmarkt an der deutsch-tschechischen Grenze eingetauscht. Antje Schiffers und Thomas Sprenger schickten die Passagiere schließlich noch auf eine Wanderung, bei der sie unter der Anleitung von „Reiseleitern der Angst" das Fürchten lernen sollten.
Synagoge Stommeln
Einmal im Jahr lädt die Stadt Pulheim einen renommierten Künstler ein, eine Installation in der ehemaligen Synagoge im Stadtteil Stommeln zu realisieren. Für dieses Jahr wurde Daniel Buren ausgewählt. Die Vernissage ist am 29. August 2010.
Petition
Während sich im Marta Herford die Ausstellung „Richard Neutra in Europa - Bauten und Projekte 1960-1970" größter Beliebtheit bei den Besuchern erfreut, kämpft in den USA der 84-jährige Dion Neutra um den Erhalt eines öffentlichen Baus seines berühmten Vaters Richard Neutra (1892-1970): Die Cyclorama Center Gedächtnisstätte im Military Gettysburg National Park ist vom Abriss bedroht.
Die Denkmalschutzbestimmungen für Nachkriegsarchitektur sind in den USS weniger streng als in Europa. Daher appelliert das Marta Herford an Architekten, Verbände, Journalisten, Autoren, Kunsthistoriker und Architekturliebhaber, sich an der Unterschriftenaktion für Dion Neutras Petition zum Erhalt des Bauwerks zu beteiligen. Der Eintrag in die Unterschriftenliste ist möglich unter: www.petitiononline.com/neutra3/petition-sign.html.
Performance-Reihe
Das „Europäische Performance Institut E.P.I. Zentrum" ist in Essen (Maschinenhaus auf der Zeche Carl) sowie in Köln und Frankfurt (ASA European) beheimatet. Eines der aktuellen Projekte ist die Performancereihe „aus krummen holz - fein geschnitzt". Den jüngsten Auftritt innerhalb dieser Reihe bestreitet Shaun Caton am 22. Juli 2010 mit einer achtstündigen Performance im Kölner Theater im Volksgarten (Beginn 13.30 Uhr, Volksgartenstr. 25).
Was ist Verrat?
Wenn ein Politiker stottert oder stolpert, ist eine Aufnahme davon mit der Handy-Kamera eine Stunde später weltweit bei „you tube" abrufbar. Auch bei „Twitter" und „Facebook" wird munter bloßgestellt, getratscht und Selbstinszenierung betrieben. Hemmungslos wird in den Medien - ob Talkshows im TV oder Chat-Foren im Internet - Privates und Intimes an die Öffentlichkeit gezerrt. Was in den digitalen und sozialen Netzwerken an Geheimnissen kommuniziert wird, ist Anlass für das Bremer „Frauen.Kultur.Labor thealit", einmal der Frage nachzugehen: „Was ist Verrat?"
Diese Thematik beleuchten die Kuratorinnen Claudia Reiche und Andrea Sick auch „unter geschlechtsspezifischen Gesichtspunkten.... Welche Praktiken, Strategien und Plattformen verfolgen Frauen, welche Männer? Auch die pornografischen Tendenzen der Amateurangebote im Web 2.0 sollen hier diskutiert werden." Von September 2010 bis Januar 2011 finden dazu Forschungsprojekte satt, die anschließend im Februar 2011 in einem Symposion und einer Ausstellung dargestellt werden.
Künstler-Fußball
2003 gewann die Düsseldorfer Thekenmannschaft „Lokomotive Lüpertz" das Kölner Künstler-Fußballturnier „Der wahre Cup". Seither ranken sich in der rheinischen Künstlerszene allerlei Legenden um die sportlichen Großtaten der fußballspielenden Maler und Bildhauer aus der Landeshauptstadt. Zur aktuellen WM 2010 organisierte der Künstler Michael Nowotty nun schon zum fünfzehnten Mal ein solches Turnier, diesmal unter dem passenden Titel „Der wahre Afrika Cup".
Bevor das DFB-Team in Südafrika die Mannschaft von Argentinien mit 4:0 schlug, spielten die Künstler-Kicker in einem Park in Köln-Nippes ihren eigenen Pokalwettbewerb aus. Zum anschließenden gemeinsamen Anschauen der TV-Übertragung aus Südafrika hatte Künstlerkollege Kalaman wieder sein „WM-Studio" mit einer Tribüne aus Bierkästen aufgebaut.
Intervention
Mit „Mobilen Stadtimmobilien" bestückte Uwe Jonas den „Platz der Stadt Hof" in Berlin-Neukölln. Eigentlich ist dieser Ort gar kein Platz, sondern lediglich ein verbreiterter Gehweg. Dennoch stellte sich Jonas vor, dass Passanten hier nicht immer nur vorübereilen müssen, sondern - wie es auf mediterranen Plätzen üblich ist - auch verweilen können.
Die hellblauen Elemente können an die gewünschte Stelle verschoben werden, um darauf zu sitzen. Uwe Jonas: „Das Schaffen von Möglichkeiten und eine räumliche Präsenz, die der Leere des Platzes entgegentritt, sind die Leitmotive der Intervention." Die Installation verbleibt dort bis Ende September 2010.
Austausch
Wer im Juli 2010 die Egon-Erwin-Kirsch Bibliothek in Berlin-Lichtenberg betrat, der fand dort zwischen den Büchern auch ein Regal mit Fertiggerichten aus Dosen vor, wie es aus dem Supermarkt vertraut ist. Steuerte man kurz darauf im benachbarten Supermarkt die Abteilung mit den Konservendosen an, traf man dort auf ein Regal mit Büchern.
Den Austausch von Biografien in Bohnen hatte der japanische Künstler Tazro Nishino vorgenommen. „An beiden Orten bleibt die Nutzung des Regalinhaltes, also der Kauf von Waren bzw. das Entleihen von Büchern, gewährleistet. Das Kunstprojekt Austausch eröffnet neue Möglichkeiten in einer Umgebung, die sich kaum verändert, und stört die gewohnten Blickrichtungen" (Pressetext).
Kunst am Bau
Die Generalsanierung und Neugestaltung der Städtischen Galerie im Lenbachhaus in München begleiten zwei Kunst-am-Bau-Vorhaben. Sie wurden soeben vom Kulturausschuss des Stadtrats der Landeshauptstadt München einstimmig abgesegnet. Für die große Halle des neuen Lenbachhauses entwarf Olafur Eliasson als Lichtskulptur einen spiralartigen Wirbel, der sich von der Decke bis über die Köpfe der Besucher bewegt. Die Farben dieser Skulptur orientieren sich an der Palette des „Blauen Reiter". Thomas Demand hat für die Fassade einen Schriftzug „Lenbachhaus" aus ca. 1 m hohen Lettern entworfen.
Water Island Morsbroich
Jeppe Hein hat für die Auffahrt zum Museum Schloss Morsbroich in Leverkusen eine bislang ungenutzte Brunnenschale in ein Wasserspiel umfunktioniert. Der betretbare Springbrunnen bildet eine kreisförmige Wasserwand, die sich in gesteuerten Intervallen senkt und wieder anhebt.
2-3 Straßen
Auf Einladung von Jochen Gerz schreiben seit Januar 2010 „78 Autoren aus aller Welt an einem gemeinsamen, aber unzugänglichen und auch ihnen völlig unbekannten Text. Gleichzeitig sind sie als Mieter und Kreative ein Jahr lang Teil der Ausstellung 2-3 Straßen des Konzeptkünstlers Jochen Gerz... Für die Miete zahlen sie mit ihrem geschriebenen Wort..."
Bei dem Buchprojekt, das nach Abschluss des „Kulturhauptstadtjahres 2010" publiziert werden soll, werden zusätzlich auch noch die „Bewohner der Straßen zu Autoren", ebenso die Besucher der aktuellen Gerz-Ausstellung im Essener Museum Folkwang: „Die Installation 2-3 Straßen im Museum Folkwang gewährt einen flüchtigen, mikroskopischen Blick auf den kreativen Prozess: die Entstehung eines Kunstwerks..."
Platzzeichnung
Matthias Beckmann hält mit dem Zeichenstift das Innere von Museumsräumen und das Aussehen öffentlicher Plätze fest („Kunstforum" berichtete). Die jüngste Werkserie entstand in Berlin-Neukölln, wo der „Platz der Stadt Hof" demnächst umgestaltet werden soll. Beckmann dokumentierte in einem kleinen Heft mit Zeichnungen im Postkartenformat das heutige Aussehen des Platzes und richtete dabei ganz bewusst seinen Blick auf das Banale und Unprätentiöse, das man überall findet, und das daher nicht einmalig, sondern beliebig und austauschbar ist: auf Werbeflächen, auf den Info-Stand einer politischen Partei und auf die Gäste im Biergarten...
Warten
Uwe Schäfer bestückt den öffentlichen Raum mit begehbaren Haus-Skulpturen, die an Warte- oder Schreibergartenhäuschen erinnern. Vier solcher Häuser hatte er im Rahmen seiner Werkreihe „Warten" in der Vergangenheit bereits realisiert. Mit „Warten V" beteiligte er sich jüngst am Gruppenprojekt „WeinGarten - Künstlergärten in Weingarten". Allerdings wählte Schäfer keinen Garten, sondern die örtliche Fußgängerzone als Aufstellungsort seines Gartenhäuschens als „Ruhe und Rückzugsraum". Im Inneren befanden sich ein Kräuterbeet, das die Benutzer mit der Gießkanne bewässern konnten, und ein Notizbuch, in dem jener seine Kommentare hinterlassen durfte.
Skulpturenweg Rheinland-Pfalz
In Rockenhausen (Donnersbergkreis) wird vom 5. bis 26.7. 2010 ein Bildhauersymposion ausgerichtet. Die dabei entstandenen Skulpturen verbleiben vor Ort als Beiträge zu einem „Skulpturenweg Rheinland-Pfalz". Bis jetzt sind dort acht Skulpturen aufgestellt worden. Das Land Rheinland-Pfalz unterstützt das Projekt mit 20.000 Euro.






