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Ausstellungsrezensionen noch laufender Ausstellungen

Band 200, 2010, S. 269

Ausstellungsansicht: 100 Years (version #1, Duesseldorf). Foto: Yun Lee

Thomas W. Kuhn

100 Years (Version # 1, Duesseldorf)

Number Three: Here and Now

Julia Stoschek Collection, Düsseldorf, 17.10.2009 - 31.7.2010

Mit ihrer dritten großen Ausstellung seit 2007 widmet sich die Julia Stoschek Collection in Düsseldorf in konsequenter Fortsetzung ihres bisherigen Programms der Aktions- und Performancekunst. Konsequent erscheint diese Themenwahl, da bereits in den vorhergehenden Ausstellungen diese Kunstgattung vor allem in Form von Videos etwa Marina Abramovic’s oder Hannah Wilke’s präsent und konstitutiv für die jeweiligen Themen waren. Das auf 9 1/2 Monate angelegte Projekt ist sowohl räumlich, wie formal zweigeteilt. Auf der ersten Etage wurden über 80 filmische Arbeiten in sechs Raumkompartimenten versammelt, ergänzt durch schriftliche Dokumente und Fotografien. Der baulich für dieses Projekt von der unteren Etage geschiedene 2. Stock […] weiterlesen


Band 203, 2010, S. 310

Christian Huther

Jimmie Durham

»Rocks Encouraged«

Portikus, Frankfurt/Main, 5.6. – 1.8.2010

Steine haben es ihm angetan. Sie ziehen ihn magisch an, stoßen ihn aber auch ab. Besonders Europa erscheint dem Amerikaner Jimmie Durham als eine einzige Kathedrale. Durham kennt Europa gut. Hier weilt er des Öfteren für längere Zeit, seitdem er in Genf zwischen 1969 und 1973 Kunst studiert hat. Freilich vermisst er in Europa das Leben. Denn Statik und starre Form färben nach seiner Meinung auch auf die Menschen ab, so dass sie selbst zu Steinen, zu einem Teil der Architektur werden. Doch die Steine will der mittlerweile 69-jährige Künstler von der Last der Architektur befreien. Möglicherweise faszinieren ihn deshalb besonders […] weiterlesen


Band 202, 2010, S. 318

Jean Fautrier, Le Lapin (Der Hase), 1941, Öl auf Papier, montiert auf Leinwand. Von der Heydt-Museum Wuppertal © VG-Bild-Kunst, Bonn 2010

Claudia Posca

Le Grand Geste!

»Informel und Abstrakter Expressionismus 1946-1964«

museum kunst palast Düsseldorf, 10.4. – 1.8.2010

„Le grand Geste!“, die große, nur am Rhein als einziger Station gastierende, programmatische Abstraktionsschau im Düsseldorfer museum kunst palast – das ist, natürlich, etwas fürs Auge, ein „Fest der Malerei“ mit fulminanten Tupfen-, Scheiben- und Spachtelbildern, mit stürmischen Farbbahnen, fedrig ausfransenden Pinselhieben neben Farberuptionen, Schnelligkeit, Zufall und Kalkül, gebannt oft im Großformat. Umwerfende Bilder gibt es zu sehen, darunter Cy Twomblys fein verrätseltes „Ferragosto 1 (Roma)“ von 1961, ob dessen Zugehörigkeit zum Kosmos gestischer Malerei sich trefflich streiten lässt. Oder Jean-Paul Riopelles furios facettig gespachtelte „Kompositionen“ von 1950 und 1954. Oder… und und und… es darf geschwelgt werden!
„Le Grand Geste!“ […] weiterlesen


Band 203, 2010, S. 342

Hans-Dieter Fronz

Gabriel Orozco

»Der Künstler als Jäger und Sammler«

Kunstmuseum Basel, 18.4. – 8.8.2010

Die Schlankheitskur der Göttin war augenscheinlich von Erfolg gekrönt. Einen Citroën DS, Baujahr 1960, ließ Gabriel Orozco der Länge nach in drei Teile zersägen, das mittlere Drittel entfernen und die beiden übrigen Teile zusammenschweißen. Mit „La DS“ (der wohl kalkulierte Titel ist im Französischen homophon zu ‚la déesse’, übersetzt: ‚die Göttin’) wurde Orozco seinerzeit berühmt. Bald zwanzig Jahre ist das jetzt her, aber noch heute verfehlt die schmalgesichtige Schrumpfform des kultigen Automobils ihre Wirkung nicht. Wie dem spektakulären Readymade da der erste Saal der großen Übersichtsausstellung zum Werk des Mexikaners im Kunstmuseum Basel fast allein zur Bühne dient, ist es ein […] weiterlesen


Band 202, 2010, S. 334

Liam Gillick, Övningskörning (Driving Practice Parts 1 – 30), 2004, pulverbeschichtetes Aluminium, Courtesy Casey Kaplan, New York, Installationsansicht Bundeskunsthalle 2010, Foto: David Ertl

Alexander Braun

Liam Gillick

»Ein langer Spaziergang... Zwei kurze Stege...«

Kunst- und Ausstellungshalle der BRD, Bonn, 1.4. – 8.8.2010

Er ist ziemlich sympathisch dieser Liam Gillick, 1964 in Aylesbury, Buckinghamshire, England geboren, an dessen Werk sich die Kritiker-Gemüter regelmäßig scheiden. Es hat der „Young British Art“ ganz gut getan in ihren Reihen aus mehr oder weniger dominanten Selbstdarstellern auch ein paar wenige konzeptuelle Intellektuelle wie Gillick vorweisen zu können. Gillick weiß anekdotenreich und charmant über seine Werke Auskunft zu geben und es ist interessant, seinen Werdegang von der britischen Arbeiterklasse zur Kunstakademie, von dort zur Lektüre der üblichen Verdächtigen der Postmoderne und des Poststrukturalismus und schließlich zu seinen eigenen Denk-Tableaus aus Material und Text zu verfolgen. Ein Paul Weller der […] weiterlesen


Band 203, 2010, S. 256

Ingo Arend

Olafur Eliasson

»Innen Stadt Außen«

Martin Gropius-Bau, Berlin, 28.4. – 9.8.2010

Weather Project. Wenn Besucher von der legendären Ausstellung in der Londoner Tate Gallery berichten, kommen ihre Augen noch immer ins Leuchten. Vor knapp sieben Jahren hatte der isländisch-dänische Künstler Olafur Eliasson eine riesige Sonne in eine alte Turbinenhalle des britischen Kunsttempels hängen lassen. Über den Boden waberte Nebel. Tagelang lagen die Besucher verzückt im Bann des glühenden Gestirns. Über zwei Millionen Menschen sahen zur Jahreswende 2003/2004 das Spektakel: die größte Einzelausstellung eines lebenden Künstlers, die es jemals gab.
Überwältigungsästhetik ist ein Etikett, das seitdem hartnäckig an Eliassons Kunst klebt. Nichts wäre falscher als das. Denn was in London zu sehen war: die […] weiterlesen


Band 200, 2010, S. 318

Dan Perjovschi, Ring me! Ausstellungsansicht Salzburger Kunstverein, 2009, Edding-Stift auf Wand, Foto: Rainer Iglar, © Salzburger Kunstverein.

Stephan Maier

Dan Perjovschi

»Ring me!«

Salzburger Kunstverein, Salzburg, 13.8.2009 – August 2010

Endlich. Und am so unausweichlich wie wohlweislich nahenden Ende eines in bisweilen doch eher episodische Weiten (ab-)driftenden Jahresprogramms des Salzburger Kunstvereins, und mitunter allzu liniengetreuen Vorführungen performativer Tendenzen in den Ländern des ehemaligen Ostblocks, dann der ureigene Höhepunkt: Dan Perjovschis „Ring me!“ und seine nach Otto Zitko so gekonnt lakonische, wie sarkastische, vorsätzlich die Vorgaben virtuoser Wand(be)­zeichnu­ngen sprengende „Neugestaltung“ der so genannten Ringgalerie rund um den eigentlichen kubischen Ausstellungsraum.
Perjovschi, rumänischer Vorzeigekünstler und unter anderem auch turnusgemäß sich bewährender Dozent an der Salzburger Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst, entwirft als hauptberuflich bestens und international etablierter Meister des flinken Marker-Stifts aus dem Hause […] weiterlesen


Band 203, 2010, S. 302

Reinhard Ermen

Zuschauer sind nicht erwuenscht

»Das Theater ist auf der Strasse – Die Happenings von Wolf Vostell«

Museum Morsbroich, Leverkusen, 6.6. – 15.8.2010

Das erste Happening von Wolf Vostell (1932–1998) war schon 1954 in Wuppertal geplant: „Skelett“. Ein detailliertes Konzept hat sich erhalten; „legen sie in die wupper 100 skelette von tieren und menschen auch rohes fleisch und innereien ohne erklaerung“, damit wird der Reigen der 19. Handlungsanweisungen eröffnet, „faerben sie die wupper rot“, heißt es im zweiten Schritt, mit einem (weiteren) Vorgeschmack auf kommende antikapitalistische Revolten sollte dieser Angriff auf die Gemütlichkeit enden: „vor einem bankgebäude stehen leute, die NEIN sage“. Eine „umgebungsveraenderung“ im weitesten Sinne war intendiert, „mit x-beliebigen mitteln“, und zwar „ueber nacht“. Doch das Ganze findet nur zum Teil statt. […] weiterlesen


Band 203, 2010, S. 344

Max Glauner

Rosemarie Trockel

»Verflüssigung der Mutter«

Kunsthalle Zürich, 8.5. – 15.8.2010

Mit einem Paukenschlag verabschiedet sich Zürichs Kunsthalle von ihrem Quartier im Löwenbräuareal: Man zeigt bis Mitte August „Rosemarie Trockel – Die Verflüssigung der Mutter“. Danach wird hier zwei Jahre saniert. Dann müssen die Kunsthalle wie ihre Nachbarn, das Migros Museum, einige Galerien, darunter Hauser & Wirth und Eva Presenhuber, Ausweichquartiere beziehen. Während die Einen mit düsteren Pferdekadaver-Skulpuren von Berlinde De Breuyckere (Hauser & Wirth) Abschied nehmen oder mit einer Auswahl aus den Sammlungsbeständen (Migros Museum), zeigt die Direktorin des Züricher Kunstvereins Beatrix Ruff eine längst überfällige monografische Ausstellung der Ausnahmekünstlerin aus Köln. Ein besonderer Glücksfall: Im nahen Basel werden im Kupferstichkabinett […] weiterlesen


Band 203, 2010, S. 335

Franz Thalmair

Hinter der Vierten Wand.

»Fiktive Leben – Gelebte Fiktionen«

Generali Foundation, Wien, 2.6. – 15.8.2010

Zuerst leises Gemurmel, das sich zu einem Teppich an Menschenstimmen verdichtet, dann Stille, die harsch von zwei, drei, mehreren konkreten Worten und Sätzen unterbrochen wird – die Geräuschkulisse, die beim Betreten der aktuellen Ausstellung in der Wiener Generali Foundation zu vernehmen ist, könnte auch hinter den Kulissen eines Theaters zu hören sein: Bühne, Ausstellungsraum, Wahrheit, Fiktion – changierendes Trugbild oder konkrete Manifestation der Wirklichkeit? Als Kulisse und gleichzeitig roter Faden für die Ausstellung „Hinter der Vierten Wand. Fiktive Leben – Gelebte Fiktionen “ dient das gleichnamige Konzept Denis Diderots, das der Schriftsteller und Enzyklopädist im 18. Jahrhundert als eine Art „Mittlerin […] weiterlesen


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