Band 201, 2010, S. 240

Hilla Becher
Die Fotokünstlerin auf neuen Wegen
Ein Gespräch von Helga Meister
Hilla Becher, Jahrgang 1934, kann es nicht lassen. Die Witwe von Bernd Becher ist noch immer fasziniert von den Funktionsbauten der Montanindustrie und der ungeheuren Formenvielfalt von Fördertürmen, Hochöfen, Gasbehältern, Kühl- und Wassertürmen. So machte sie sich im Herbst 2008 und im Frühjahr 2009 erstmals nach dem Tode ihres Mannes wieder auf Reisen, begleitet von Chris Durham, Meisterschüler von Bernd Becher und selbst Fotokünstler. Einige Bilder, die dabei entstanden, sind in der Galerie Konrad Fischer, Düsseldorf, zu sehen: Schrauben Gasbehälter aus London, Sheffield und Southampton, Teleskop Gasbehälter aus Birmingham und Rochdale, Wassertürme aus Frankreich und Belgien.
Es überrascht, mit welcher Energie Hilla […] weiterlesen
Band 201, 2010, S. 222

Alex Katz
Naturalismus hat mich nie interessiert.
Ein Gespräch von Magdalena Kröner
Alex Katz wurde 1927 in Brooklyn als Sohn russischer Einwanderer geboren. Seine figurative, wenig modulierte, flächige Malerei machte ihn im Umfeld der Abstrakten Expressionisten im New York der ausgehenden 50er Jahre erst zum Außenseiter, jedoch wurde er als Vorläufer der Pop-Art ab Mitte der 70er Jahre anerkannt. Das New Yorker Whitney-Museum richtete Katz sowohl im Jahr 1974 und 1986 Retrospektiven aus, in Europa wurde er jedoch erst ab den 90er Jahren gezeigt. 1995 präsentierte die Kunsthalle Baden-Baden erstmals sein Werk in Deutschland. Das Bonner Kunstmuseum richtete Katz (2002) eine umfassende Retrospektive aus; es folgten Ausstellungen in der Langen Foundation (2006/2007), […] weiterlesen
Band 201, 2010, S. 206

Friedrich Kunath
Gescheiterte Melancholie
Ein Gespräch von Michael Stoeber
Das Alter Ego des Künstlers Friedrich Kunath ist der Clown. Eine Figur, die Maler und Schriftsteller zu allen Zeiten fasziniert hat. Weil sie auf die Stimme ihres Herzens hört, das Paradox liebt und mit beiden Beinen fest in den Wolken steht. Eine der schönsten Arbeiten des 1974 in Chemnitz geborenen Künstlers, der heute in Los Angeles lebt, zeigt ein informelles Bild, in dessen glühenden Farben ein krakeliger, unsicherer Schriftzug herzzerreißend fragt: „If you leave me can I come, too?“ Multimediakünstler Kunath ist ein Romantiker, der es anders weiß, aber nicht wahr haben will. Eigensinnig träumt er von Liebe, Selbstverwirklichung und Solidarität. […] weiterlesen
Band 201, 2010, S. 190

Jean-Jacques Lebel
Auf die Barrikaden!
Jean-Jacques Lebel als Sammler, Künstler und Denker im Maison Rouge, Paris
Ein Gespräch von Heinz-Norbert Jocks
„Soulevements“ im Maison Rouge nah der Bastille in Paris ist Hommage an Félix Guattari. Darüber hinaus eine sich sofort und unwiderruflich ins Gedächtnis einschweißende Ausstellung, die wirklich alles in den Schatten stellt, was für gewöhnlich eine konventionell gute Schau zu leisten imstande ist. Was sich hier vor unseren Augen und in unseren Ohren abspielt, ist mehr als nur ein so subtil inszeniertes wie komplex ausgeweitetes, von Jean-Jacques Lebel über Jahre, besser Jahrzehnte zusammengetragenes Ensemble von Werken, die, bis heute seine treuen Lebensbegleiter und Kumpanen, bei und mit ihm zuhause wohnen. Seine Räume auf dem Boulevard Raspail sind von Bildern, Skulpturen, Büchern, […] weiterlesen
Band 201, 2010, S. 164

Christian Boltanski
Wunschlos glücklich im Angesicht des Todes
Ein Gespräch von Heinz-Norbert Jocks anlässlich der Ausstellung »Personnes« auf der MONUMENTA im Pariser Grand Palais
Es erscheint einem alles absolut klar angesichts der jüngsten Arbeit von Christian Boltanski im Pariser Grand Palais, wo die Besucher anlässlich der dritten Monumenta Schlange stehen. Den 13 500 Quadratmeter großen, nur schwer bespielbaren Raum hat der Künstler in gleich große, mit zweihunderttausend gebrauchten Kleidungstücken ausgelegte, von Stahlstangen und Drähten eingezäunte und von einer mittig platzierten Neonröhre beleuchtete Rabatte unterteilt. Um das Unwohlsein der Besucher vor Ort zu forcieren, wählte er bewusst die kalten Wintermonate für seine Präsentation. Dennoch kommt dem Besucher auch vor den zu einem zehn Meter hohen Berg aufgetürmten Kleidern, die ja wie die Hüllen von menschlichen Kadavern […] weiterlesen
Band 201, 2010, S. 150

Allan Sekula
Lügen ist heute ein Leistungsprinzip ersten Grades.
Ein Gespräch von Dieter Buchhart und Gerald Nestler
Allan Sekula bedient sich seit Anfang der 1970er Jahre in seinen Fotografien und Filmen der Aussage und Wirkungskraft von sozial engagierter Fotografie, ohne jedoch die Authentizität der Dokumentarfotografie zu behaupten. In Werken wie „Fish Story“ zeichnet er die Produktionsbedingungen des globalisierten Kapitalismus in der maritimen Wirtschaft. Er setzt sich mit unserer Arbeits- und Warenwelt auseinander, jedoch niemals unreflektiert, auch nicht seinen eigenen Produktionsbedingungen gegenüber.
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Dieter Buchhart/Gerald Nestler: Für Ihren „kritischen Realismus“, wie Sie Ihre Praxis in „Photography Against the Grain: Essays and Photoworks 1973-1983“ bezeichneten, nutzen Sie die expressive und effektive Macht einer sich sozial engagierenden, kritischen Fotografie. Was kann Fotografie […] weiterlesen
Band 201, 2010, S. 142

Jeff Koons
Ich habe die Kunst immer für ihre unpraktische Art geliebt.
Ein Gespräch von Dieter Buchhart und Gerald Nestler
Jeff Koons zählt mit seinen spektakulären Skulpturen im Außenraum zu den bekanntesten und kommerziell erfolgreichsten KünstlerInnen der Gegenwart. Es sind oft banale Objekte, wie ein in Sekundenschnelle am Jahrmarkt angefertigter Luftballonhund, die den Ausgangspunkt für seine höchst aufwändigen und in der Herstellung zeitintensiven Werke bilden. Er verfremdet Objekte aus der Alltagskunst und Werbung und verleiht diesen eine neue Materialität, deren Oberfläche er gemeinsam mit über hundert MitarbeiterInnen bis zur höchst möglichen Perfektion bearbeitet. Sein Interesse gilt der Oberfläche des Materials und der Wahrnehmung der BetrachterInnen, die Koons durch die Assoziation scheinbar vertrauter Kitschobjekte, Bilder und Schlüsselreize herausfordert.
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Hatte Ihre Tätigkeit als Broker […] weiterlesen
Band 201, 2010, S. 126

UBERMORGEN.COM
Systeme sind hochgradig korrupt.
Ein Gespräch von Dieter Buchhart und Gerald Nestler
Hinter UBERMORGEN.COM verbergen sich Hans Bernhard und lizvlx. Ohne politische oder ideologische Absichten experimentieren sie im Raum des Legalen, Ökonomischen, Sozialen und Technologischen. Digitaler Aktivismus, Sampling, Text- und Programmcode-Rekombinationen, Textmodifikationen (die auch die AutorInnen inkludieren), Kontrollverlust und mehr sind ihre bevorzugten Methoden der Kunstproduktion. Der Beweggrund für ihre vielfältige und ausgesprochen offensive Praxis ist ihrer Aussage nach: Neugier und die Befriedigung des eigenen Bedarfs.
Dieter Buchhart/Gerald Nestler: Eure Arbeiten hinterfragen, manipulieren und definieren Bedeutungen, die, so scheint uns, mehr über Sprache (inkl. Code) als über Bilder vermittelt werden. Dies legt auch die immer wieder auftauchende (Selbst)Beschreibung „kontroversiell und ikonoklastisch“ nahe. Seid ihr […] weiterlesen
Band 201, 2010, S. 118

Künstlerische Strategien vor dem Hintergrund gegenwärtiger Ökonomie und Technologie
Eine Gesprächsrunde von Axel Stockburger
mit Isabelle Avers, Richard Barbrook, Bernhard Cella, Franziska Nori und Felix Stalder
Axel Stockburger konfrontiert internationale Theoretiker, Kuratorinnen und Künstler mit Fragen, welche die Konzeptionen von Autonomie und Freiheit gegenwärtiger künstlerischer Praxis in Bezug setzen zu den veränderten ökonomischen und technologischen Rahmenbedingungen. Einerseits geht es darum, den Einfluss der Ökonomie auf die Gegenwartskunst kritisch zu beleuchten, andererseits stellt sich die Frage, welche Bedeutung Umbrüche in der Nutzung digitaler Massenkommunikationstechnologien in diesem Bezugsfeld haben.
Axel Stockburger ist Künstler und Theoretiker und lebt und arbeitet in Wien. Er studierte an der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien und hält einen PhD von der London University of the Arts (LCC). Seine Filme und Installationen werden international gezeigt. […] weiterlesen








