Band 179, 2006, S. 108

Oliver Zybok
In der Idylle ist man allein
Ein Gespräch mit dem in London lebenden Künstler Lothar Götz
Oliver Zybok: Es wird vielfach konstatiert, die Idylle gründe auf den Gegensatz von Natur und Kultur. Dabei scheint Kultur zunächst nichts anderes als ein Synonym für den Verlust von Ursprünglichkeit, von früheren, im Einklang mit der Natur verlaufenden Lebensformen. Die Natur hingegen ist in diesem Verständnis das stets Gleichbleibende, das dauerhaft Ursprüngliche. Von daher ist der behauptete Stillstand der Idylle das Merkmal einer geschichtlichen Dialektik. Geschichte ist eine Abkehr vom idyllischen Dasein, aber diese Abkehr ist die Voraussetzung dafür, dass Idylle überhaupt entstehen kann. Was bedeutet Idylle für Dich?
Lothar Götz: Idylle stellt ein Konstrukt dar, einen irrealen Raum, der immer auch […] weiterlesen




