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53. Biennale Venedig - Online-Fotorundgang

Cornelia Gockel

Monica Bonvicini / Tom Burr

»Mechanismen der Macht«

Kunstbau der Städtischen Galerie im Lenbachhaus, München, 30.5. – 16.8.2009

Ausstellungsansicht: Tom Burr: Folding Screen (Yellow), 2000, Sperrholz, Holzleisten, Plexi-Spiegel, schwarz eloxierte Beschläge, © Tom Burr .Monica Bonvicini: Never Again, 2005, Leder, verzinkte Ketten, Gerüst, © VG Bildkunst, Bonn, Foto: Städtische Gal
Monica Bonvicini: Never Again, 2005, Leder, verzinkte Ketten, Gerüst, © VG Bildkunst, Bonn, Foto: Städtische Galerie im Lenbachhaus München
Monica Bonvicini, Leather Hammer, 2004/2005, mit Leder überzogener Hammer,Verschiedene Größen, Foto: Roberto Marossi, Courtesy of the artist & Galleria Emi Fontana, Milan, West of Rome, Los Angeles © Monica Bonvicini, VG Bild-Kunst, Bonn 2009

Die Party ist vorbei. Zurückgeblieben sind leer getrunkene Wein- und Whiskeygläser, hoch gefüllte Aschenbecher und ein paar Notizzettel auf dem schwarz glänzenden Bartresen. Was das für eine Party war, kann man nur ahnen. Auf den umgefallenen Barhockern liegen achtlos fetischartige schwarze Kunstlederblumen. In ihrer Form erinnern sie an Andy Warhols „Flowers“. Hundertfach reproduziert, wurden sie zu einem Markenzeichen für den exzentrischen Künstler und seine Factory. Aufs Feiern haben die sich auch verstanden. Aber diese Party, die Tom Burr mit seiner Arbeit „Black Out Bar“ evoziert, war anders…

In ein merkwürdiges Ambiente einer Freizeitgesellschaft zwischen glamourösem Entertainment, globalem Nomadentum und sadomasochistischer Subkultur taucht der Besucher in der Doppelausstellung von Monica Bonvicini und Tom Burr im Kunstbau im Lenbachhaus ein. Beide Künstler haben sich in ihrem Werk mit Machtstrukturen, gesellschaftlichen Konventionen, der Kodierung von sozialen Räumen und ihrer Bedeutung für den Menschen auseinandergesetzt und sind auch zu ähnlichen künstlerischen Ansätzen gekommen. Der Fokus ihrer Auseinandersetzung ist jedoch ein anderer, denn er wird bestimmt durch unterschiedliche Körperpolitiken, die sich aus dem eigenen Geschlecht und der damit verbundenen historischen und gesellschaftlichen Rezeption ableiten. Somit kann man das von dem Münchner Lenbachhaus und dem Museum für Gegenwartskunst Basel konzipierte Ausstellungsprojekt als durchaus spannenden und lohnenswerten Versuch bezeichnen, die Arbeiten der beiden Künstler in einer Schau zusammenzubringen.

Der in New Heaven geborene und in New York lebende Tom Burr setzt sich in seiner Arbeit kritisch mit amerikanischen Kunstrichtungen wie Minimal oder Pop Art auseinander. Er verwendet ihr Formenvokabular und besetzt es durch künstlerische Interventionen mit neuen Inhalten. Nicht weit entfernt von der „Black Out Bar“ ist ein flaches Becken aufgebaut, in dessen Innerem eine sonnengelbe Plexiglasoberfläche verführerisch glänzt. „Piscine“ hat Burr die Skulptur genannt, die in ihrer minimalistischen Form und Materialität sowohl an einen eleganten Hotelpool als auch an die Objekte von Donald Judd erinnert.

Eine härtere Gangart schlägt die italienische, in Berlin lebende Künstlerin Monica Bonvicini an. In ihrer Installation „Never again“, mit der sie 2005 mit dem Preis für junge Kunst der Nationalgalerie ausgezeichnet wurde, baumeln Hängematten aus schweren Metallketten und nietenbeschlagenen Lederriemen an einem Eisengestänge, welche die Besucher zum Verweilen einladen. Einige scheinen das Angebot gern anzunehmen, obwohl die Arbeit auf einen Ort zwischen Freizeitpark und SM-Party verweist. Gleich daneben ruhen in Vitrinen Werkzeuge, wie Hammer oder Beil, die sie fast liebevoll in Leder eingenäht hat.

Sehen und gesehen werden, sich zeigen und sich kokett den Blicken entziehen, sind Strategien, mit denen Burr in seinem Werk operiert. Scheinbar nebensächliche zufällige Arrangements werden auf Podesten inszeniert, spiegeln sich in Paravents aus farbigem Plexiglas um im nächsten Moment wieder den Blick auf fetischartige Objekte, wie Zaumzeug, Steigbügel und schwarz glänzende Lederriemen frei zu geben. Monica Bonvicini hat sich in ähnlicher Weise mit dem Fetischcharakter von Oberflächen und ihrer Verwendung in unserer Gesellschaft auseinandergesetzt. Wirklich schade ist, dass ihre Arbeiten am anderen Ende des Ausstellungsraumes zu sehen sind. Nur von weitem sind die Schüsse und das herzergreifende Schluchzen einer Frau aus ihrer Videoinstallation „Destroy She Said“ zu hören und geben als Soundkulisse eine Vorstellung davon, wie spannend es gewesen wäre, die Arbeiten der beiden Künstler in direktem Dialog zu sehen.

Zur Ausstellung erscheinen zwei Monographien mit Texten von Sabeth Buchmann und Jan Verwoert zu je 15 € /zusammen 25 €. Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Museum für Gegenwartskunst in Basel und wird dort in veränderter Form 5.9.2009-3.1.2010 zu sehen sein.

 

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Einführung von Susanne Boecker
Länderpavillons: Giardini, Arsenale , Stadt
Hauptausstellung: Giardini, Arsenale

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