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53. Biennale Venedig - Online-Fotorundgang

53. BIENNALE VENEDIG: Länderpavillons

Türkei: Banu Cennetoglu e Ahmet Ögüt: Lapses

Kurator: Basak Senova, Assistenz: Nazli Gürlek / Ort: Isolotto, Arsenale

BANU CENNETOGLU (geb.1970 in Ankara, lebt in Istanbul) Catalog, 2009, Fotografien können bestellt und im Internet heruntergeladen werden
AHMET ÖGÜT (geb.1981 in Diyabakir, lebt in Amsterdam) Exploded City, 2009, Stadtmodelle, Mixed Media

Banu Cennetoglu und Ahmet Ögüt – „Lapses“

Eine schlichte, hölzerne Baracke, angedockt an die historischen Gemäuer der Arsenale, beherbergt den türkischen Pavillon. In bewusster Geste setzt man sich vom Fluss der großen Raumabfolge ab und markiert eine Außenposition, die gezielt aufgesucht und betreten werden muss. Der architektonische „Ausrutscher“ ist Teil des Ausstellungskonzepts, das unter dem Motto „Lapses“ (Lapsus = ein, oft geringer, unwillkürlicher Fehler) zwei künstlerische Projekte vorstellt. Ahmet Ögüt präsentiert in seinem Stadtmodell „Exploded City“ eine Ansammlung von Gebäuden, die bei terroristischen Bombenattentaten zerstört wurden. Eine Geisterstadt des Grauens mit Nachbildungen des Europa Hotels (Belfast), des Wasserturms aus Vukovar, des Maxim Restaurants (Haifa), des United Nations Buildings (Algier), der Schule von Beslan, der Nationalbibliothek von Sarajevo und diverser anderer Bauten. Einige von Bomben in die Luft gejagte Fahrzeuge gibt es auch, und auf dem Boden fährt eine Miniaturausgabe des Madrider Nahverkehrszugs, der im März 2007 Ziel eines terroristischen Angriffs war. Auf einer Schautafel sind die Namen, Orte und Zerstörungsdaten vermerkt. Wir kennen die meisten dieser Gebäude von Fotografien und Filmaufnahmen, die unmittelbar nach den Attentaten über die Medien verbreitet wurden. In ihrer ursprünglichen Funktion haben wir sie nicht erlebt. Die spielt auch in dem musealen Modell von Ahmet Ögüt keine Rolle mehr, das die Gebäude als unversehrte Ikonen einer Geschichte der Gewalt vorstellt.

Um Fragmente von Vergangenheit und mögliche Bedeutungsverschiebungen geht es auch in dem Beitrag von Banu Cennetoglu. Ihr „CATALOG 2009“ enthält hunderte aus verschiedensten Quellen stammende und nach subjektiven Kriterien angeordnete Fotografien. Die in mehreren Exemplaren ausliegenden Bilderbücher können wie Versandhauskataloge benutzt werden, denn alle Motive können während der Dauer der Biennale kostenlos im Internet downgeloadet werden. Bereits durch die Konnotation mit den Katalog-Kategorien wie „Vorsicht“, „Invasion“, „Liebe“, „Komposition“ oder „Farbe“ hat Banu Cennetoglu die Fotografien in einen neuen, von ihrer ursprünglichen Genese abweichenden Sinnzusammenhang gesetzt. Indem sie die Aufnahmen anschließend einer beliebigen Zahl von Benutzern zur beliebigen Verwendung überlässt, potenziert die Künstlerin die Möglichkeiten weiterer Bedeutungsverschiebungen bis ins Unendliche.

www.venicebiennial-turkey.org

 

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