Band 203, 2010, S. 380

Das Ruhrgebiet ist mehr als eine Metropole
Ein Gespräch mit den beiden Museumsdirektoren Heinz Liesbrock und Raimund Stecker von Georg Imdahl
Den "Mythos Ruhr begreifen", die "Metropole gestalten" und "Europa bewegen" möchte das einjährige Programm der Kulturhauptstadt Europas Ruhr 2010. Im Gespräch gehen die beiden Museumsdirektoren Heinz Liesbrock und Raimund Stecker den historischen Ursprüngen der Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst in der Region nach - und leiten daraus ihre Kritik am künstlerischen Programm der Kulturhauptstadt 2010 ab. Zugleich bezweifeln sie den behaupteten Anspruch der Programmmacher, das Ruhrgebiet sei eine Metropole oder befinde sich auf dem Weg dorthin.
***
Georg Imdahl: Herr Liesbrock, als das Ruhrgebiet zur Europäischen Kulturhauptstadt 2010 gekürt wurde – welche Erwartungen hatten Sie damit verbunden?
Heinz Liesbrock: Dass die eigentümliche Intensität des […] weiterlesen
Band 202, 2010, S. 420

Malen so instinktiv wie ein Hund
William Feaver im Gespräch mit Heinz-Norbert Jocks
Über Lucian Freud anlässlich seiner Retrospektive im Centre Pompidou
William Feaver, 1942 geboren, ehemals Kunstkritiker und Autor diverser Bücher, heute freier Kurator in London und da vor allem spezialisiert auf die Malerei der Londoner Schule und zudem enger Freund von Lucian Freud, dessen Malerei er zuletzt im Museo Correr in Venedig zeigte. Mit ihm traf sich Heinz-Norbert Jocks anlässlich der von Cécile Debray für das Centre Pompidou kuratierten, bis zum 19.Juli laufenden Ausstellung „Lucian Freud – l’Atelier“ zu einem grundsätzlichen Gespräch. Die von der französischen Kritik unterschätzte Schau versucht das Atelier zum Tatort einer Malerei zu machen, die den Realismus wider dem Innovationszwang der Avantgarde weitertreibt, und sie sieht […] weiterlesen
Band 202, 2010, S. 410

Wir regen an, wir stoßen an und wir begleiten
Ronald Berg im Gespräch mit Hortensia Völckers, Künstlerische Direktorin der Kulturstiftung des Bundes, über ihre Arbeit und die Rolle von Kunst und Kultur in Deutschland.
Seit ihrer Gründung 2002 ist Hortensia Völckers Künstlerische Direktorin der Kulturstiftung des Bundes (KSB). Die mit 25 festen Mitarbeitern vergleichsweise kleine Stiftung fördert auf Antrag Kunst- und Kulturprojekte. Schwerpunkt ist dabei die Förderung von Programmen und Projekten im internationalen Kontext. Außerdem initiiert die Stiftung auch eigene Projekte in allen Sparten der Kunst.
Völckers wurde 1957 in Buenos Aires geboren und siedelte erst 1975 in die Bundesrepublik über. Sie studierte Kunstgeschichte und Politologie und gelangte nach Stationen vornehmlich im Münchner Kunstbetrieb (Galerie Herzer, Kunstverein München, Siemens Kulturprogramm, Tanzbiennale München u.a. ) 1995 als persönliche Referentin der Künstlerischen Leiterin Catherine David in das Kuratorenteam […] weiterlesen
Band 201, 2010, S. 383

Kunst war immer schon vom Grosskapital abhängig
Ein Gespräch von Georg Imdahl mit Nikolaus Schafhausen
Nicolaus Schafhausen, geboren 1965 in Düsseldorf, ist Kurator sowie Auftraggeber, Autor und Verleger zahlreicher Publikationen zur Gegenwartskunst. Seit 2006 Direktor des Witte de With, Center for Contemporary Art in Rotterdam; lebt in Brüssel. Bevor er seine kuratorische Laufbahn aufnahm, arbeitete er als Künstler. 1991 gründete er die Galerie Lukas & Hoffmann (Berlin/Köln, gemeinsam mit Markus Schneider), die er bis 1994 leitete. Hier realisierte er u.a. die ersten Ausstellungen von Kai Althoff, Olafur Eliasson und Carsten Höller. 1995-1998 war er Leiter des Künstlerhaus Stuttgart, 1995-1996 Berater der documenta X, 1999-2005 Direktor des Frankfurter Kunstvereins, 2003-2005 Kurator für NIFCA, Helsinki (Nordic Institute […] weiterlesen
Band 201, 2010, S. 88

Max Hollein
Wir sind alle Teil eines marktwirtschaftlichen Gesellschaftssystems.
Ein Gespräch von Dieter Buchhart und Gerald Nestler
Max Hollein ist seit Oktober 2001 Direktor der Schirn Kunsthalle Frankfurt sowie seit Januar 2006 Direktor des Städel Museums und der Liebieghaus Skulpturensammlung. Geboren 1969 in Wien, studierte Hollein Betriebswirtschaft und Kunstgeschichte in Wien. Er gilt als einer der erfolgreichsten Ausstellungsmacher und Kulturmanager, dem es mit seinem avancierten Ausstellungsprogramm gelingt, Marksteine im internationalen Ausstellungsgeschehen zu setzen.
***
Dieter Buchhart/Gerald Nestler: Sammlungen werden heute gerne von Unternehmen und Konzernen aufgebaut, die nicht selten auch im Bereich PR viel tun, um diese Tätigkeit zu kommunizieren. Was ist die Traditionslinie dieser Entwicklung? Was ist Ihrer Meinung nach der Gewinn für ein Unternehmen, Kunst auf professionelle und […] weiterlesen
Band 200, 2010, S. 378

Markus Lüpertz
oder wie die Kunst bei sich selbst blieb
von Siegfried Gohr
Verrisse sind ein gutes Zeichen. Verrisse, die von Hass triefen und vor Wut schäumen und die Analyse ausblenden, beweisen, dass das Ziel des negativen Urteils eine besondere Energie erzeugt hat, dass eine tiefgreifende Verstörung ausgelöst wurde, die offensichtlich nicht rational zu bearbeiten war. Die Verrisse bezeugen eine Abwehrhaltung, die ans Irrationale grenzt. Was ist es, das die Retrospektive von Markus Lüpertz in der Bundeskunsthalle in Bonn bietet oder verweigert, dass solche heftige Reaktionen erfolgt sind? Der Impuls der Avantgarde war es, die tradierte Kunst zu entlarven, sie der ästhetischen Irrelevanz zu überführen, um einer avantgardistischen Kunst eine Relevanz in der Gesellschaft […] weiterlesen
Band 200, 2010, S. 374

MARKUS LÜPERTZ
IN DER KRITIK
Anlässlich seiner Ausstellung in Bonn scheint die Polemik gegen das Werk und den Künstler Markus Lüpertz weiter zu eskalieren. Aus diesem Grund drucken wir hier den Versuch von Heinz-Norbert Jocks, die Hintergründe der Diskussion zu verstehen, und einen Betrag von Siegfried Gohr zur Ausstellung ab.
Soll man Markus Lüpertz verbrennen?
von Heinz-Norbert Jocks
Die Polarisierung in den Feuilletons, die Markus Lüpertz einst auslöste, hat inzwischen so drastische Ausmaße angenommen, dass man sich unwillkürlich fragt, was da eigentlich vor sich geht. Und jetzt, da die Bonner Kunst- und Ausstellungshalle mit einer Einhundertfünfzig Werke, darunter seine Gemälde und Skulpturen, zählenden, wohl bisher umfangreichsten Retrospektive […] weiterlesen
Band 200, 2010, S. 334

Susanne Boecker
To Biennial or not to Biennial?
Biennalen-Konferenz Bergen, 17.9.-20.9.2009
Die Zeit der Unschuld ist vorbei: Wer heute eine neue Biennale ins Leben ruft, der kann nicht mehr mit uneingeschränkter Begeisterung rechnen, sondern sollte sich auf kritische Fragen gefasst machen. Denn die Biennale – in den letzten beiden Jahrzehnten DAS Ausstellungsmodell schlechthin – ist ins kritische Alter gekommen. Nicht, dass der Boom vorbei wäre. Keineswegs. Weit über 100 Kunst-Hot-Spots eröffnen weltweit im zwei- (oder auch drei-)jährigen Rhythmus. Ebenso wenig leiden die Biennalen an Besucherschwund – sind sie doch weltweit DER Publikumsrenner in Sachen zeitgenössische Kunst. Nein, Biennalen sind nicht out, aber nach Jahrzehnten inflationärer Neugründungen ist das Format definitiv in einem […] weiterlesen
Band 200, 2010, S. 214

Michael Hübl
Nicht eine einzige Nummer zu gross
Das Kunstforum wird 200 – Laudatio eines Betroffenen.
Alles leer. Als hätten sich die Protagonisten der Minimal Art mit den Grünen verbündet – die es noch nicht gab. Was manchem Radikalnaturschützer heute wie ein Traum vorkommen mag, wurde für wenige Tage Wirklichkeit. Aus ökonomischen, nicht aus ökologischen Gründen. Weil der Erdölpreis schockartig in die Höhe geschnellt war, trat am 25. November 1973 in der Bundesrepublik Deutschland erstmals ein allgemeines Fahrverbot in Kraft, das an vier Sonntagen gelten sollte. Während in der damals noch proletarischen Stolz demonstrierenden DDR Trabi und Wartburg durch die verrußten Städte röhrten, hieß es im Westen: Alle Räder stehen still, wenn der freie Markt es will. […] weiterlesen
Band 199, 2009, S. 394

Nur Gott sieht all diese Bilder
Georg Imdahl im Gespräch mit Boris Groys
Boris Groys, geboren 1947 in Ostberlin , ist Philosoph, Essayist, Kunstkritiker und Medientheoretiker. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen Kunstformen in den ehemaligen kommunistischen Ländern sowie Analysen der Avantgarden und der Postmoderne. Zuletzt hatte er eine Professur für Kunstwissenschaft und Medientheorie an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe inne, soeben hat Groys eine Professur am Department of Russian and Slawic Studies, an der NewYork University angetreten.
***
Georg Imdahl: Herr Professor Groys, wie orientieren Sie sich persönlich in der Kunstszene? Welche Schauplätze suchen Sie auf, um sich zu informieren?
Boris Groys: Man geht immer zur documenta und irgendwie nach wie vor mit einer gewissen Erwartung, dass […] weiterlesen
























