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Aktuelle Monografien

Band 200, 2010, S. 208

Mariusz Tarkawian

Reinhard Ermen

Mariusz Tarkawian

Dicht gedrängt hängen an den Wänden die kleinen Bildchen, die oft genug nur so groß wie eine Postkarte sind, zum Beispiel: „Looking for art“, jedes Blatt 10 x 15 cm (Bleistift auf Papier); zu je 25 Stück sind sie (vor und nach der Ausstellung) in entsprechenden Boxen verpackt, 36 davon hat Mariusz Tarkawian zwischen 2006 und 2008 gefüllt! Das sind 900 Akzentuierungen, Paraphrasen und manchmal auch nur Späße zum Stand der Dinge in Sachen Kunst. Die Anregungen dazu findet er in Katalogen, Kunstzeitschriften und auch vor Ort. Viele Kommentare beziehen sich auf Figuren seiner engeren Umgebung. „Der Künstler schafft sich seine […] weiterlesen


Band 200, 2010, S. 204

Norbert Prangenberg

Reinhard Ermen

Norbert Prangenberg

Was ist das, wo ist das? Eine Antwort wird nicht erwartet. Die Zeichnungen selbst schweigen ohnehin, dass sie diese oder ähnliche Fragen bei den Betrachtern auslösen, liegt an ihrer Unangepasstheit. Es gibt kein System, schon das nächste Blatt kann so anders aussehen, als käme es von einem benachbarten Planeten. Mit jedem Bild macht Norbert Prangenberg ein neues Fenster auf. Trotzdem gibt es so etwas wie ein morphologisches Repertoire, an dem man den Künstler im Zweifelsfalle vielleicht sogar wieder erkennt: Ornamentale, zellulare Strukturen, Kreise, ja Sonne, Mond und Sterne, Zierformen, Wellen oder Voluten. Licht und Linien, Wasserfarbe und Bleistift kommen zusammen oder […] weiterlesen


Band 200, 2010, S. 200

Dan Perjovschi, Courtesey Kunsthalle Basel

Reinhard Ermen

Dan Perjovschi

Einfacher können Zeichnungen nicht sein, sie bestehen aus dem Notwendigsten, es herrscht Essentialität vor, nicht nur in Bezug auf die Mittel, sondern auch auf die Botschaft. Denn diese kleinen Bildergeschichten, wollen sprechen und das Erstaunliche daran ist, dass der Grad der Verblüffung wächst, je einfacher sie sich formulieren. Dan Perjovschi spielt mit den Erscheinungen globalisierter Konsumgewohnheiten, er mischt sich ein in den tagtäglichen Kampf ums Überleben, er weiß wie der Kapitalismus tickt. Der Mann aus Rumänien hat am eigenen Leib erlebt, wie die schöne neue (westliche) Welt sein Land überrollte. „Mac Donalds hat die ersten sauberen Toiletten in Bukarest eingeführt“, sagt […] weiterlesen


Band 200, 2010, S. 196

Andreas Opiolka

Reinhard Ermen

Andreas Opiolka

Wären seine Arbeiten nicht so souverän gesetzt, man könnte sich manchmal an gekritzelte Kinderzeichnungen erinnert fühlen, es herrscht in diesem Sinne jedenfalls ein Gestus unvoreingenommener Kreatürlichkeit, der das Erste Mal zu beschwören scheint und dabei mit einem Höchstmaß an Kontrolle übereinkommt. Andreas Opiolka ist Perfektionist, die eigentlichen Vorbereitungen gleichen Versuchsanordnungen. Das Feld, das für die Zeichnung vorgesehen ist, wird sorgfältig bereitet. Opiolka wählt einen Ausschnitt auf dem Papier, den behandelt er zum Beispiel mit Lack, den er dann anschleift, um anschließend eine dünne Schicht Gouachefarbe aufbringen zu können. Das so bereitete Terrain ist passepartoutartig vom Rest des Blattes umgeben. Hier, im […] weiterlesen


Band 200, 2010, S. 192

Roni Horn. Foto: Mary Ellen

Reinhard Ermen

Roni Horn

Die Farbsegmente wirken wie gesprengt und werden doch von einer unbekannten Kraft in einem formalen Zusammenhang gehalten. Zu sehen sind ornamentale Montagen, die Spuren des Dissoziationsprozesses werden nicht verleugnet, die Schnitte bilden eine konstituierende Architektur, ein Raster konstruktiver Linien, das sich nicht aufdrängt, aber unerbittlich erscheint durch seine Konkretion. Man könnte sich an Luftaufnahmen erinnert fühlen, an den Blick aus mittelgroßer Höhe auf die Gemarkungen einer gewachsenen und gebauten Kulturlandschaft. Seit Anfang der 80er Jahre macht Roni Horn diese Zeichnungen, deren Erscheinungsbild sich seitdem stetig verändert hat, das Prinzip der produktiven Deplatzierung durch den Schnitt ist geblieben. Geblieben ist auch (Ausnahmen […] weiterlesen


Band 200, 2010, S. 188

Katharina Hinsberg, Foto: Charlotte Kons

Reinhard Ermen

Katharina Hinsberg

Linien sind seltsame Wesen. Gezeichnet, als Teil eines Zusammenhangs bemerkt man sie vielleicht gar nicht oder nimmt sie lediglich als selbstverständlichen Teil eines größeren Ganzen zu Kenntnis. Werden sie indessen radiert oder ausgeschnitten, sind sie plötzlich so präsent, als würde man sie einzeln in die Hand nehmen. Vielleicht ist so eine Präsenz durch ständiges abwägendes Umkreisen, bis zur Auslöschung, ein Erkennungsmerkmal der Arbeit von Katharina Hinsberg. Zum Beispiel in „Diaspern“, einer Serie, die sie seit einigen Jahren beschäftigt. Eine Zeichnung wird durchaus spontan zu Papier gebracht, meist in fließenden abwärts fallenden Ranken, die durch ihre Unmittelbarkeit schon Zeichnung genug sind. […] weiterlesen


Band 200, 2010, S. 184

Frank Gerritz

Reinhard Ermen

Frank Gerritz

Präzision, vielleicht auch der Anspruch auf Unfehlbarkeit, das könnten die Stichworte des ersten Eindrucks sein. Zu sehen sind schwarze Flächen, die durch helle Linien und die sichtbare Anwesenheit des Trägers gegliedert werden. Die Geometrie ist essentiell, es gibt nur Horizontalen und Vertikalen in einer rektangulären Ordnung. Wer sich jetzt bereits abwendet, versäumt das Wesentliche! Die Anmutung einer allgegenwärtigen Genauigkeit bleibt zwar beim Nähertreten bestehen, aber die erste kühle Reserviertheit relativiert sich. Die Betrachter sind angehalten, sich vor den Bildobjekten zu bewegen, bei den großen Wandarbeiten, deren Format mittlerweile bis zu 160 x 900 cm (Lowdown im Bremer Museum Weserburg 2008) gehen […] weiterlesen


Band 200, 2010, S. 180

Michaël Borremans. Foto: Wouter Vandenbrink

Reinhard Ermen

Michael Borremans

Etwas, das man (vorläufig) mit ‚Meisterlichkeit’ umschreiben könnte, springt sofort ins Auge. Figuren und Sachen, Räume und Landschaften sind exakt erfasst, bis in die kleinsten Details regiert eine faszinierende Sorgfalt. Michael Borremans beherrscht die Technik der Weißhöhungen, Wasserfarbe und Tusche schmiegen sich in die vom Bleistift angedeuteten Umgebungen. Trotz dieser Souveränität, die in der Beschreibung Vorbildlichkeit evoziert, ist das alles vom Akademischen weit entfernt, der Zeichner ist kein kalter Millimetermeister, allen seinen Bildern eignet Entwurfscharakter, eingebettet in eine brovirafarbene Chromatik, oft genug auf gefundenen oder sorgfältig aufbewahrten Papieren. Angesprochen ist eine selten gewordenen Kennerschaft, Bühne für diese Zimelien sind graphische Kabinette […] weiterlesen


Band 200, 2010, S. 176

Stephan Baumkötter

Reinhard Ermen

Stephan Baumkötter

Der lineare Gestus tritt äußerst zurückhaltend auf und doch beatmen die Spuren, die er zurücklässt, den ganzen Raum, die zarten Gebilde, wenn man überhaupt so weit gehen will, von etwas Bildähnlichem zu sprechen, beherrschen das Blatt. Die farbige Zeichnung behauptet ihre Präsenz umgekehrt proportional zum (materialen) Aufwand. Fast absichtslos wandern die Ölstifte (oilpaintsticks) oder die Pastellkreiden über die weiße Fläche. Johannes Meinhardt sieht in diesem Zusammenhang „abgerissene, bröselnde, zerbrochene Einsätze“, Jens Peter Koerver beschreibt ein „Trudeln oder Taumeln des Stiftes“. Stephan Baumkötter bewegt sich im Zwischenraum von Zufall und Kontrolle, auf den stick in seiner Hand wird, abgesehen vom Eigengewicht der […] weiterlesen


Band 200, 2010, S. 172

Porträt Silvia Bächli: Foto Ina Lijk, 2009

Reinhard Ermen

Silvia Bächli

Ihre Linien sind wie Lebewesen. Mit Gouache, Tusche (ganz selten) Oelpastellkreide, fließen sie über das Blatt, der Pinsel strukturiert sie in zahllose, hauchzarte Adern. Das Material, warum nicht: Das grau-erdige ‚Blut’ verbraucht sich im Vollzug, die Linie verdurstet, wird fragil, haucht sich aus im Weiß des Papiers. Mit einem erneuten Atemzug geht es weiter. An dieser essentiellen Lineatur, an den gleichsam lebenden Pinselstrichen erkennt man Silvia Bächli zuallererst. Sie arbeitet mit dem naturgegebenen Ein- und Ausatmen der Linien und initiiert damit gleichzeitig so etwas wie ein ständiges mediales Selbstgespräch beim Zeichnen, das sich freilich niemals in den Vordergrund schiebt. Auch was […] weiterlesen


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