Band 185, 2007, S. 192

Silke Wawro
Parasitäres Verhalten als Vorschlag zum Umgang mit Überangebot und Massenproduktion
VOLKSWARE
Volksware ist der Name einer Marke. Volksware arbeitet projektbezogen und präsentiert sich in unterschiedlichen Formen in Ausstellungen, Events, Verkaufsflächen und anderen Veranstaltungen, die im Kontext des jeweiligen Projekts stehen. Jede Idee von Volksware wird in Form eines Produkts, einer sog. "Volks' Ware" erzählt: Als Konzept, als Unikat, in Auflage oder als Produkt ohne eigene Produktion.
In den Volksware-Projekten werden der Wert, die Funktion und die Bedeutung von Konsumgütern auf immer wieder neue Weise hinterfragt. Das Hauptinteresse gilt dem Grund zum Kaufen, der Wertschöpfung von Konsumgütern und der Auswirkung hiervon auf den Verbraucher.
Volksware braucht seinen Benutzer, um sich zu […] weiterlesen
Band 185, 2007, S. 178

Dominik Harborth und Andrea Vilter
Helfershelfer
Helfershelfer1 - Symbionten im Designprozess
Dominik Harborth
Ein gefalteter Bierdeckel unter dem Bein des Wirtshaustisches. Wie kam er dorthin? Was hat den Gast dazu bewegt, die Pappe zwischen Möbel und Boden zu schieben? Der wackelnde Tisch hat ihm wohl keine Ruhe gelassen.
Man kann einen Tisch in seiner Position verändern, um sicheren Stand für ihn zu finden und wenn das nicht hilft, den Kellner um einen anderen Platz bitten. Auch der stetige leichte Druck des Unterarmes auf die Tischkante während des gesamten Abends vermeidet das Hin- und Herkippeln des Möbels. Man könnte das sanfte Wippen für einen kurzen Aufenthalt im Restaurant natürlich auch schlichtweg ignorieren.
Der Gast vor uns hat […] weiterlesen
Band 185, 2007, S. 130

Michael Rakowitz
Umgehungen
paraSITE/(P) LOT
PARASITE schlägt die Aneignung der externen Belüftungssysteme vorhandener Architekturen vor, um auf diese Weise temporäre Unterkünfte für Obdachlose bereitzustellen.
Im inaktiven Zustand existieren die paraSITE-Einheiten als kleine, zusammenfaltbare Pakete und haben Griffe, sodass sie sich mit der Hand oder auf dem Rücken transportieren lassen. Um diese Apparatur einsetzen zu können, muss der Benutzer die Ausgänge des Heizungs- und Belüftungssystems bzw. der Klimaanlage eines Gebäudes finden.
Eine Aufnahmeröhre der zusammengefalteten Struktur wird an den Lüftungsschacht angeschlossen. Die warme Luft, die aus dem Gebäude entweicht, bläst die doppelte Membranstruktur auf und erhitzt sie zugleich.
Im April 1997 erläuterte ich mein Konzept und meinen ersten Prototyp […] weiterlesen
Band 185, 2007, S. 120

Mechthild Stuhlmacher / Rien Korteknie
Parasites -
die Stadt der kleinen Dinge
Eigentlich fing es mit der Publikation eines kleinen Wohnhauses an, die wir in einer holländischen Zeitschrift gesehen hatten. Der australische Architekt Glenn Murcutt hatte es für eine Familie der Aboriginals gebaut. Wie viele internationale Zeitschriften auch publizierte das holländische Fachblatt De Architect das Holzgebäude unter dem Namen "Marika Alderton Haus". Das prototypische, luftige, poetisch-einfache Bauwerk, errichtet auf einem Grundstück, tausende Meilen entfernt von der nächsten Stadt, beeindruckte uns nachhaltig. Wir fingen an, uns für diesen Architekten zu interessieren, der nicht nur den Entwurf, sondern auch die Ausführung seiner Werke so ernst nimmt, dass er die Bauarbeiten täglich überwachen will und darum […] weiterlesen
Band 158, 2002, S. 96
STEVE KURTZ - CRITICAL ART ENSEMBLE (CAE)
Angst und Profit im Vierten Bereich
Ein symbolischer, in beide Richtungen fließender, vertikaler Strom, der sich für die Untersuchung von kulturellen Strukturen und Dynamiken stets als fruchtbar erweist, ist das Kontinuum von Reinheit und Verunreinigung. Die soziale Organisation normativer Bedingungen neigt dazu, Reinheit an die Spitze der Hierarchie kultureller Werte zu setzen, während Verunreinigung für gewöhnlich am Ende steht. Es gibt keine interkulturelle Konsistenz im Benennen dieser Trennung unter Glaubens-, Verhaltens- und Repräsentationsaspekten, und in jeder Kultur finden sich immer auch Widersprüche und Ausnahmen von den Regeln. Natürlich ist die endlose Diskussion darüber, wie man sich zwischen den wahrgenommenen Erscheinungsformen von Reinheit und Verunreinigung bewegen und sie […] weiterlesen
Band 146, 1999, S. 242
Lois Weinberger
PAST FICTIONIn den Lücken des UrbanenDer NauarchDas Ruderal
Hartnäckig zögernde und dennoch frei fliegende Notate, die einen ganz spezifischen Ton haben. Lois Weinbergers Texte und Gärten haben gemeinsam, daß beides Orte sind, "die aus den Möglichkeiten entstehen". Das Schreiben ist teil der "Gartenarbeit", es begleitet und ermöglicht ein Tun und Werden, das letztlich ohnehin geschieht. Lois Weinbergers Werk wächst und wuchert , um dann zu implodieren und zu verfallen. Es ist getragen von einer Ahnung der Instabilität aller Ordnungen und von einer "präzisen Achtlosigkeit" in den Arbeitsweisen. Um formale Hierarchien schert sich Weinberger nicht, um so mehr um das Periphere an […] weiterlesen






