Band 195, 2009, S. 30

Michael Hübl
Stunde Null – und Schluss?
Wie die Welt darauf wartet, dass Barack Obama Kasimir Malewitsch ablöst
Hat das Musée des Beaux Arts de Lyon ein besonderes Gespür für umwälzende Veränderungen der Gegenwart? Die Präsidenten-Wahlen in den USA standen kurz bevor, noch war nicht entschieden ob John McCain oder Barack Obama das Rennen machen würde, da eröffnete das Museum der Schönen Künste im zweitgrößten Ballungsraum Frankreichs eine Ausstellung mit dem Titel “1945-1949. Repartir a zéro, comme si la peinture n’avait jamais existé” 1. Ziemlich lang für einen Ausstellungstitel. Und doch wird ohne große Umschweife die ‚Stunde Null‘ evoziert – jener Moment, an dem sich schlagartig die Verhältnisse ändern. Und die nachgerade lodernde Hoffnung aufflackert, dass […] weiterlesen
Band 195, 2009, S. 293

Ronald Berg
Unsterblich
Der Kult des Künstlers
Kulturforum, 28.10.08 – 15.02.09
Die Künstlertypen, die den Besucher am Eingang zur Ausstellung empfangen, sehen alle schon etwas merkwürdig aus. Angelika Platen hat sie fotografiert, und ihre Modelle schmeißen sich mächtig in Pose: Mike Kelly mit Lidschatten, Jörg Immendorf im Hotelfoyer wie aus einem Genrefilm oder die vermännlichte Hanne Darboven mit Glatze. Die erfolgreichen Künstler wissen offenbar, ihren besonderen Nimbus herauszustellen. Im Grunde sind Platens Fotos Andachtsbilder, und die Galerie der Künstlertypen eine Art Ikonostase, durch die man ins mystische Dunkel der eigentlichen Ausstellungsräume tritt. Hier sprechen die Kunstwerke selbst, hier wird der Kult des Künstlers zelebriert und dokumentiert.
150 Kunstwerke von der Würmeiszeit bis zur […] weiterlesen
Band 195, 2009, S. 360

Sigrid Feeser
Medium Religion
Zentrum für Kunst und Medientechnologie / Museum für Neue Kunst, Karlsruhe, 23.11.2008 – 19.4.2009
Die Maschine schreibt und schreibt und schreibt. Wort für Wort und Satz für Satz kratzt die Stahlfeder in gestochen präziser Kalligraphie über mählich voranruckelnde Papierbögen. Sieben Monate wird es dauern, bis der Industrieroboter aus dem „robotlab“ der Karlsruher Medienkünstler Matthias Gommel, Martina Haitz und Jan Jappe den deutschen Bibeltext geschrieben hat. Das Imitat eines frommen Klosterschreibers ist ein technisches Wunderwerk ohne Sinn, selbstreferentiell, heillos überinstrumentiert – und schon aus diesem Grund ein wunderbarer Kommentar zu der Schau „Medium Religion“ im Museum für Neue Kunst des Karlsruher Zentrums für Medientechnologie. Peter Weibel und Boris Groys haben mehr als siebzig Werke auf dreitausend […] weiterlesen
Band 195, 2009, S. 34

Amine Haase
Die Kunst, das Geld und die Werte
Verändert die Finanzkrise dauerhaft den Markt, die Museen und die Sammler?
Less oil more courage“ forderte Rirkrit Tiravanija schon 2003 auf einer großen Schrifttfel am Rande einer viel befahrenen Straße, und Arnout Mik nahm bereits 2001 in seiner Video-Installation „Middlemen“ ein mittleres Börsenbeben vorweg. Der Künstler als zuverlässiger Seismograph? Oder ist es Damien Hirst, der uns die Abgründe des kapitalistischen Zeitalters vorführt? Sowohl als auch – die einen mit ihren künstlerischen Arbeiten, der andere mit seinen merkantilen Strategien. Den einen begegnet man in Museen und Biennalen, dem anderen in Privatsammlungen und Auktionen. Welcher Ort verspricht den Krisen, die auch auf die Kunst zukommen, am ehesten trotzen zu können? Die Frage […] weiterlesen
Band 194, 2008, S. 30

Michael Hübl
Bulle, Bär, Frosch und Kalb
Im Zeichen von 9/15: Wie Restriktionen und millionenschwere Superpreise in der Kunst zusammengehören
Alles wieder gut. Der Frosch ist zurückgekehrt. Die ökologischen Bedingungen im Kunst-Biotop sind offenbar doch robuster als vermutet. Auch wenn der Frosch längst tot war. Mausetot sogar. Denn er besteht nicht nur aus rein synthetischem Material (kurz: Plastik), sondern war zudem ans Kreuz genagelt. Doppelt tot hält besser. Und so wurde aus einem breitmäulig gestalteten fettgrünen Stück Kunststoff eine Art Kruzifixus. Der Frosch beschäftigte die Gemüter in diesem Jahr besonders heftig, so als ahnte man, dass es auch in der Kunst - ähnlich wie an der Börse - reichlich tierisch zugehen würde. Mit dem Unterschied, dass die Turbulenzen an den Finanzmärkten […] weiterlesen


























