Biennalen: New York · von Ute Thon · S. 356
Biennalen: New York , 1997

Ute Thon

1997 Biennial Exhibition

»Die Teflon-Show – Nichts bleibt hängen!«

Whitney Museum, New York, 20.3. – 1.6.1997

Das Büro des Museumsdirektors steht auf der Kippe. In bedrohlicher Schieflage balanciert der hölzerne Kubus mitten im Raum. Wirft man einen Blick durch die geöffnete Wand hinein, wird einem schwindlig, nicht von der Kunst an den Wänden, sondern von der schrägen Leere, die im Inneren herrscht. Die Arbeit stammt von Glen Seator. Er hat das Office von Whitney-Chef David Ross samt mausgrauem Teppichboden und Marcel-Breuer-Regalen nachgebaut und im 45-Grad-Winkel an der Decke verankert. Damit liefert er nicht nur eine originelle Arbeit in einer ansonsten ziemlich uninspirierten Biennale, sondern auch eine perfekte Metapher für das Dilemma, in dem der Kunstbetrieb derzeit steckt.

Irgendwie ist alles aus den Angeln geraten. Bill Gates kauft Leonardo da Vincis Skizzenbücher und preßt sie auf CD-Rom, Maler machen Hollywood-Filme, Hugo Boss sponsert das Guggenheim und die größten lebenden Kunstwerke heißen Cindy, Claudia und Naomi. Die Kunst befindet sich im Koma, so scheint es jedenfalls, es gibt keine bemerkenswerte Richtung, keinen herausragenden Trend, keinen großen Skandal, nur reichlich Oberfläche und Recycling alter Ideen. Milleniumspanik? Jedenfalls müssen sich Ausstellungsmacher damit auseinandersetzen, besonders wenn sie große, richtungsweisende Übersichtsschauen zusammenstellen sollen. Cathérine David will das Problem in Kassel ausdiskutieren, kopflastig-kontrovers. In New York dagegen hat man auf künstlerische Schonkost gesetzt, gut für die Figur, aber ohne nachhaltigen Sättigungseffekt.

Mit 200 Arbeiten von 70 Künstlern (inkl. Video Art) eher moderat im Umgang und mit zwei wenig flamboyanten Kuratorinnen – Lisa Phillips ist eine langjährige Whitney-Mitarbeiterin, Louise Neri die US-Redakteurin…

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