Ausstellungen: Graz · von Heinz Schütz · S. 398
Ausstellungen: Graz , 1997

Heinz Schütz

2000 minus 3 / ArtSpace plus Interface

Neue Galerie Graz, 27.9. – 31.10.1997

Die Kunst der Moderne brachte den White Cube hervor, jenen purifizierten Ausstellungsraum mit nahezu kultischen Zügen, jenen Ort, an dem sich Kunst in bewußter Isolation ungestört und optimal behauptet. Meist Hand in Hand mit einer Kritik der Autonomiebehauptung gab es immer wieder Ansätze, den White Cube radikal in Frage zu stellen und womöglich endgültig zu verlassen. In den achtziger Jahren etwa wurde emphatisch die Ortsbezogenheit der Kunst propagiert. Sie begab sich nun mit Vorliebe in jene öffentlichen Räume, die gewöhnlich nicht für Kunst reserviert sind. Ebenfalls in den achtziger Jahren verkündeten Technikeuphoriker das Zeitalter des Cyberspace. Mit ihm eröffnet sich ein Raum der unbegrenzten Möglichkeiten, ein Raum, der die Teilhabe nicht nur an grenzenloser Kommunikation und neu entstehenden Datengalaxien, sondern auch qua Simulation ein Leben der Multiidentität in verschiedenen Cyberwelten ermögliche.

Jenseits ideologischer Emphase sind White Cube, öffentlicher Raum und Cyberspace heute Räume, in denen sich Kunst aufhält, die sie benützt, reflektiert und als spezifische Orte miterzeugt. In diesem Sinne ist die von Werner Fenz kuratierte Ausstellung „ArtSpace plus Interface“ angelegt. Die Grenzen der Autonomie überschreitend, begibt sich Kunst hier querweltein ins Kaufhaus (Nana Petzet, Alien Productions), in die Straßenbahn (Martin Osterider), an die Mur (USI), in öffentliche Telefonzellen (APSOLUTNO), in Privatwohnungen (Eric Hattan), an die Häuserwände (PROTOPLAST), in den Stadtpark (Formalhaut) und durchaus auch an die institutionalisierten Kunstorte wie das Studio der Neuen Galerie und das Künstlerhaus mit eingebauten White Cubes. Dabei bestätigt sich die Beobachtung, daß White-Cube-Einbauten…

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