Magazin: Videonale Bonn · S. 418
Magazin: Videonale Bonn , 1990

Jürgen Kisters

4. Videonale in Bonn

Bonner Kunstverein
18. – 23.9.1990

Aus dem endlosen Fluß bewegter Medienbilder noch Akzente herauszuheben, erscheint ebenso unmöglich und kompliziert, wie bestimmte Körner aus dem Sand der Wüste herauszugreifen. Kulturfestivals ist es eigen, eine meist unüberschaubare Fülle an Ereignissen in extrem kurzer Zeit an einem Ort zu präsentieren. Das umreißt auch die Rahmensituation der 4. Videonale im Bonner Kunstverein und damit die Bedingungen bildschirminteressierter Betrachter und Schreiber.

Die erreichte Kontinuität der seit 1984 im Zweijahresrhythmus stattfindenden Veranstaltung weist ganz sicher auf die mittlerweile gewachsene Anerkennung der Videokunst in einem bestimmten Bereich der Gegenwartskunst. Aus dem Terrain der Randzone und des subversiven Milieus ist der künstlerische Videogebrauch im Medienboom der letzten Jahre ins offizielle Licht gerückt und zu einer gefragten Technologie geworden. Der teilweise improvisierte Umgang mit dem Videomedium ist in eine Professionalität übergegangen, die längst die meisten Produktionen nachhaltig prägt. Das Programm der sechstägigen Videonale (vom 18. bis zum 23.9.1990) gab ein deutliches Beispiel davon. 350 Bänder aus aller Welt waren in diesem Jahr im Rahmen der offenen Ausschreibung beim Videonale-Büro eingetroffen. Daraus wurden schließlich 101 Arbeiten für das Festival ausgewählt, wovon 26 in den mit 10 000 DM dotierten Wettbewerb gingen.

Die sogenannten „Neuen Medien“ sind heute nicht mehr neu. Ihre bildnerischen Finessen, die schnellen Schnitte und augenüberschlagenden Drehungen haben vielfach längst das Repertoire der Alltagsbilder erreicht und sind zum effektvollen Bestandteil von Werbe-, Fernseh- und Kinofilmen geworden. Wiederholungen häufen sich, auch und gerade im künstlerischen Gebrauch des Videomediums, der sich, dem Medium gemäß, ohnehin nie durch eine klare Grenzlinie…

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