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Magazin · von Stefan Römer · S. 498 - 498
Magazin , 2001

Agenda kritischer Kunstpraktiken

Christian Kravagna (Hg.), Agenda. Perspektiven kritischer Kunst

Der mediale Hype der deutschen Bundestagwahl 1998 reflektierte sich darin, dass plötzlich Pressemitteilungen zu völlig unpolitisch intendierten Ausstellungen mit einer politischen Rhetorik gefärbt waren. Nachdem jedoch die Wahl in Österreich eine blau-schwarze Regierung an die Macht gebracht hatte, artikulierte sich in expliziter Form politischer Protest im Kunstfeld.

Genau diesen Aktionen und Interventionen gegen die blau-schwarze Regierung in Österreich widmet sich der Text „Ich will Teil einer Antirassismusbewegung sein“ von der Künstlerin und Aktivistin Meike Schmidt-Gleim; sie betont die Wichtigkeit, dass überhaupt auf die konservativ bis reaktionäre Politik von seiten der Kunst geantwortet wird, anstatt in einer Diskussion über etwaige Strategien zu erstarren.

So elegant mit diesen Beispielen eine Reflexivität des künstlerischen Feldes auf gesellschaftliche Entwicklungen belegt werden kann, muss doch betont werden, dass solche Beeinflussungen konstant von den Verfechtern der reinen Kunst oder der Autonomie geleugnet werden. Schmidt-Gleims Zusammenstellung von Texten der Aktivistengruppe get to attack beschließt das von dem Wiener Kunsttheoretiker und -kritiker Christian Kravagna publizierte Buch „Agenda. Perspektiven kritischer Kunst“. Hier finden sich die aktualisierten Beiträge einer 1997 in der Wiener Secession veranstalteten Vortragsreihe. Kravagnas Vorhaben erscheint als eine schwer lösbare Aufgabe: „Intendiert war eine Konfrontation inhaltlicher und methodischer Standpunkte zu den als vordringlich erachteten Anliegen einer kritischen Kunstpraxis zwischen Aktivismus, Institutionskritik, Feminismus, ,Gegenöffentlichkeit‘ und Identitätspolitik.“

Nach einem einleitenden Spiel mit vertauschten Rollen zwischen der Kuratorin Marion von Osten und ihrer Assistentin Pauline Boudry in der Züricher Shedhalle, in dem die Überlagerung von persönlichen und institutionellen Bedingungen vorgestellt wird, prospektiert Marion von Osten…

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