Nachrichtenforum: Aktionen und Projekte · von Jürgen Raap · S. 332
Nachrichtenforum: Aktionen und Projekte ,

Aktionen und Projekte

VIDEONALE BONN

Die Bonner VIDEONALE.17 findet als Festival für Video und zeitbasierte Kunstformen vom 21. bis 24. Februar 2019 statt; die begleitende Ausstellung dazu im Kunstmuseum Bonn läuft dann noch bis zum 14. April 2019. Das Thema lautet: „REFRACTED REALITIES“ (Gebrochene Wirklichkeiten). Mit „Refraktion“ wird „die Brechung von Lichtwellen bezeichnet, wenn Licht von einem Medium auf ein anderes übergeht: Durch die Brechung verändert sich die Wahrnehmung dessen, was durch das Licht sichtbar gemacht wird. Das Wissen um das Phänomen der Refraktion fordert uns auf, Ausgangs- und Endpunkt unserer Wahrnehmung mit der Realität abzugleichen, unseren Blick zu korrigieren und das Objekt der Anschauung klar zu fokussieren.“ Zur Eröffnung wird am 20. Februar 2019 der Videonale-Preis in Höhe von 5.500 Euro verliehen. www.videonale.org

BERLIN: TRANSMEDIALE 2019

Die Berliner transmediale ist ein Projekt der Kulturprojekte Berlin GmbH im Haus der Kulturen der Welt. Bei ihrer nächsten Ausgabe vom 31. Januar bis zum 3. Februar 2019 steht „die Frage im Mittelpunkt, welche Rolle Emotionen und Empathie in der digitalen Kultur spielen.“ Es gilt, „Gefühlstechnologien besser zu verstehen und zu hinterfragen. Eine der Schlüsselfragen der 32. Festivalausgabe, zum achten Mal unter der künstlerischen Leitung von Kristoffer Gansing und ko-kuratiert von Daphne Dragona, Inga Seidler und Florian Wüst, ist ‚What moves you?‘ www.transmediale.de

100 JAHRE BAUHAUS

1919 gründete Walter Gropius in Weimar das Bauhaus als Kunstschule. Zum hundterjährigen Jubiläum sind für den Verlauf des Jahres 2019 diverse Ausstellungen und andere Aktivitäten geplant. Die Akademie der Künste in Berlin z.B. organisiert für den Zeitraum vom 16. bis zum 24. Januar 2019 ein Eröffnungsfestival. Unter der künstlerischen Leitung von Bettina Wagner-Bergelt wird ein vielfältiges Programm mit performativen Beiträgen, Konzert, Installation, Theater, Tanz, Diskurs, Workshop und Clubkultur geboten. Damit schlägt das Festival einen „Bogen von den herausragenden historischen Zeugnissen des Bauhauses bis zur heutigen Avantgarde und zu den Spuren und Impulsen, die das Bauhaus in die zeitgenössische Kunst getragen hat.“ www.bauhaus100.de

TOMAS SARACENO: AEROCENE IN WIENER KARLSKIRCHE

Als 1713 in Wien die Pest wütete, gelobte Kaiser Karl VI, eine Kirche bauen zu lassen zu Ehren seines Namenspatrons Karl Borromäus. Als der Verein der Freunde und Gönner der Kirche 2018 eine Projektreihe „Karlskirche Contemporary Arts“ startete, entschied er sich, dazu vor allem Künstler einzuladen, die sich mit der Architektur auseinander setzen. Ein Jahr lang ist dort nun als erster Beitrag zu der Reihe die Installation „Aerocene“ von Tomás Saraceno zu sehen. Sie besteht aus zwei riesigen kugelförmigen Skulpturen. Die beiden mit reiner Luft gefüllte Sphären mit einem Durchmesser von über 10 bzw. 7 Metern schweben in der 70 m hohen Kuppel des barocken Gebäudes. Durch den Antrieb mit Sonne und Luft können diese ballonartigen Gebilde große Distanzen zurücklegen – für den Künstler ist dies auch ein praktisches Experiment zur Entwicklung eines umweltschonenden Transportmittels der Zukunft. „Es gibt nur wenige Projekte in dieser Dimension in einer europäischen Kirche“, begeisterte sich der Kurator Moritz Stipsicz.

BAZON BROCK SUCHT NEUE RÄUME

Marina Sawall und Bazon Brock betreiben am Berliner Oranienplatz eine „Denkerei“. Im April 2019 müssen sie allerdings die Räume verlassen, weil der Hauseigentümer ihnen gekündigt hat. Brock sucht nun einen neuen Veranstaltungsraum: „Es müssten 120 Personen Platz finden, eine Projektionsfläche sollte zur Verfügung stehen und gute Durchlüftung muss gewährleistet sein.“ Allerdings sollte dieser Raum unbedingt im Stadtteil Kreuzberg sein: „Weil alle Kreuzberge, historisch Golgatha genannt, die entscheidenden Ereignisorte, also Leidensorte der Geschichte waren und sind. Gelitten wird nicht in Palästen, Parlamenten, Generalstabsquartieren und Chefetagen, gelitten wird in prekären Beschäftigungsverhältnissen und auf der Suche nach bezahlbarem Wohnraum. Gelitten wird also in Kreuzberg. Und der einzige Gegenstand des Nachdenkens ist die Minderung des Leidens in der Orientierung auf Gerechtigkeit. Mehr braucht es nicht, um zu philosophieren oder zu theatralisieren oder zu künstlern …“ www.denkerei-berlin.de

MERKELS MAKE UP IM GLÜCKSMUSEUM

Simon Fujiwara, in Berlin lebender Künstler, erkundigte sich bei der Visagistin von Bundeskanzlerin Angela Merkel, welches Make Up sie benutze, bevor die Politikerin bei offiziellen Terminen vor die Kameras tritt. Von diesem speziellen Schminkpuder besorgte sich Fujiwara dann eine größere Menge, formte diese zu einem Haufen und stellt ihn derzeit auf einem Podest in Paris bei der Kunststiftung Lafayette Anticipations aus. Dort kann das Make Up-Pulver der Kanzlerin als Teil der Ausstellung „The Happy Museum“ (Das Glücksmuseum) noch bis zum 6. Januar 2019 betrachtet werden. Superästhetische Mechanismen der Selbstinszenierung sind Generalthema dieses Projekts; das Make Up der Kanzlerin drücke „perfekte Oberfläche“ und Illusionsimus aus. www.lafayetteanticipations.com

FOODFOTOGRAFIE-FESTIVAL IN ERFURT

2007 begründete der Fotograf Günter Beer die Aktionsreihe „Foodfotografie Festival“: bei diesen Festivals stellen namhafte Food-Fotografen ihre Werke aus; Workshops begleiten die Programme. Die nächste Veranstaltung findet ab dem 20. Januar 2019 in der Kunsthalle Erfurt statt. Beteiligt sind 19 Fotografinnen und Fotografen aus 11 Ländern mit jeweils 20 Exponaten und eine Multimedia Arbeit. Beer will damit Stillleben mit Lebensmitteln, wie sie seit der altniederländischen Barockmalerei eine kunsthistorische Tradition haben, „zurück in die Museen“ bringen, und ebenso in den Kunsthandel, und zwar mit dem Medieum der Fotografie als zeitgemäßer künstlerischer Ausdrucksform im 21. Jh. Jeder hat bebilderte Kochbücher zu Hause, aber kaum einer schuat im Impressum nach, wer die Fotos gemacht hat. Daher verfolgt Günter Beer mit seinen Festivals den Anspruch, aus dem „Schatten der Nutzfotografie – des Kommerziellen“ heraus zu treten. www.kunstmuseen.erfurt.de

SPEX WIRD EINGESTELLT

Als im Herbst 1980 in Köln die erste Ausgabe von „Spex“ erschien, benannt nach der britischen Punk-Band „X-Ray Spex“, da gehörte zum Gründungskollektiv der Herausgeber auch der Maler Peter Bömmels, Mitglied der Gruppe „Mülheimer Freiheit“, die der Galerist Paul Maenz damals hochpushte. Die Kunst- und Musikszene war auch sonst damals eng miteinander verzahnt, Bömmel’s Ateliergenosse Walter Dahn war nicht nur als Maler aktiv, sondern auch als Musiker. Die Punkund New Wave-Musiker jener Jahre und die Maler der „Jungen Wilden“ einte ein gemeinsames Lebensgefühl mit einem Faible fürs Subkulturelle, und „Spex“ war ihr publizistisches Forum. Autoren wie Diedrich Diederichsen lieferten den theoretischen Überbau in Sachen Popkultur; 1995 gesellte sich auch der Fotograf Wolfgang Tillmans als Mitherausgeber hinzu. Tillmans hatte schon Ende der 1980er Jahre in „Spex“ seine fotografsichen Dokumentationen der damaligen Jugendkultur veröffentlicht. Jetzt stellt die 2007 nach Berlin umgezogene „Zeitschrift für Popkultur“ (Untertitel) nach 38 Jahren und 384 Heften ihr Erscheinen ein. www.spex.de

DIGITALE PRODUKTIONEN IN AFRIKA

Bis zum 30. März 2019 präsentiert das ZKM Karlsruhe die Ausstellung und das Rechercheprojekt Digital Imaginaries – Africas in Production, und zwar gemeinsam mit Kër Thiossane (Dakar), Afropixel Festival (Dakar), Wits Art Museum (Johannesburg), Fak’ugesi African Digital Innovation Festival (Johannesburg). „Afrika erlebt derzeit einen radikalen Wandel, bei dem die Digitalisierung eine zentrale Rolle spielt. Die heute auf dem Kontinent mit der weltweit jüngsten Bevölkerung entstehenden digitalen Praktiken verändern die afrikanischen Gesellschaften und deren globale Wahrnehmung. In Afrika entwickelte Apps und digitale Inhalte finden dabei zunehmend Eingang in die weltumspannende technologische Sphäre … Das Ausstellungs- und Rechercheprojekt Digital Imaginaries, das mit Kooperationspartnern in Dakar und Johannesburg entstanden ist, setzt bei dieser widersprüchlichen Vielfalt des Digitalen auf dem afrikanischen Kontinent an. Wie bei den Ausstellungen, Workshops und Veranstaltungen, die zuvor im Rahmen des Projekts im Senegal und in Südafrika stattgefunden haben, gehen die im ZKM versammelten Beiträge über die reine Beschreibung digitaler Transformationen hinaus. Viele der hier gezeigten Werke beziehen sich auf afrikanische Geschichten, Praktiken und Gegebenheiten, um kritische Denkanstöße für eine emanzipierte digitale Zukunft zu geben, die sich marktorientierten Interessen und post-kolonialen Hegemonien entzieht …“ www.zkm.de

RADIKAL AMERIKA

Wer bei „Google“ als Suchbegriff „Radikal Amerika“ anklickt, bekommt als Treffer u. a. „Nazis und Radikale in den USA“ oder „Christlicher Fundamentalismus“ angezeigt. Doch bei der Ausstellung „Radikal Amerika“ im Studio im Hochhaus in Berlin-Lichtenberg geht es nicht um die nationalistische Zeitstimmung bei Trumps „America First“-Anhängern, sondern bis zum 15. Januar 2019 um „eine Bilder- und Geschichtengalerie politischer Kunstaktionen“ in den USA. Diese (Kunst) geschichte beginnt im Jahre 1916, als sich der Bildhauer Beniamino Bufano aus Protest gegen den Eintritt der Vereinigten Staaten in den 1. Weltkrieg den rechten Zeigefinger abschnitt und ihn als „symbolischen Auslösefinger“, an Präsident Woodrow Wilson schickte. 32 Plakate erzählen von solchen Geschichten, als etwa Wally Bill Hedrick als Protest gegen den Vietnam-Krieg die US-Flagge mit dem Schriftzug „Peace“ versah und der Aktionskünstler Tony Labat seinen Berufskollegen entführte, nämlich den Konzeptkünstler Lowell Darling, als dieser für das Gouverneursamt kandidierte: Labat wollte ihn „mit der Realität von US-Politikern … konfrontieren“. Konzipiert hat das Projekt der Berliner Künstler Hans HS Winkler. www.hswinkler.de

R_E_VOLUTION 1918 / 2018

R_E_Volution 1918 / 2018 – Kunst, Revolution, Evolution, Volution – 100 Jahre, 50 Jahre, heute, morgen, irgendwann – ein Programm nennt sich ein Projekt des Dresdner Künstlervereins riesa-efau bis zum 4. Januar 2018 in der Motorenhalle (Wachsbleichenstr. 4a). Vor 100 Jahren lösten sich am Endes Ersten Weltkriegs Gesellschaftssysteme auf; Monarchien gingen unter und Revolutionen fanden statt, manche von ihnen scheiterten, und auch da, wo die bürgerliche Gesellschaft sich neuformierte, waren die alten Gewissheiten und Maßstäbe unwiederbringlich verloren. Manche versuchen Parallelen heraus zu deuten zu unserer heutigen Situation, in der sich eine weltpolitische Ordnung neuformiert; nur sind es heute nicht nur militärische Auseinandersetzungen, sondern eher Wirtschaftskriege, die diese Entwicklung bestimmen. „Indem wir das letztliche Scheitern der damaligen R_E_ Volutionen, Auf- und Umbrüche diskutieren, könnten Ideen, Alternativen, Möglichkeiten für unsere eigenen möglichen, noch nicht realisierten Zukünfte aufscheinen.“ Dazu gibt es zahlreiche künstlerische Beiträge zu sehen. www.riesa-efau.de

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