Nachrichtenforum: Aktionen und Projekte · von Jürgen Raap · S. 332
Nachrichtenforum: Aktionen und Projekte ,

Aktionen und Projekte

München: Emeka Ogbohs Bier-Aktion auf Kunst-Insel

Der Künstler Emeka Ogboh hatte 2017 zur Kasseler Documenta Craft-Bier namens „Sufferhead Original Stout“ angeboten. Das Bier ließ er in einer lokalen Brauerei herstellen; während der Documenta warben Werbeplakate auf Kasseler Litfaßsäulen dafür. Bis zum 15. März 2020 führt Ogboh solch eine Werbekampagne für sein Bier auch auf der Münchener Kunstinsel am Lenbachplatz durch. „Für das Aroma des Biers befragt der Künstler vor Ort lebende Menschen mit afrikanischem Hintergrund nach ihren Geschmacksvorlieben und verbindet diese mit lokalen Brautraditionen. Mit seiner Arbeit spielt Ogboh auf ebenso subtile, sinnliche wie humorvolle Weise auf tradierte Vorstellungen von Migration, Heimat, Fremdheit, Identität, Stereotype und Rassismen an. Die Plakatmotive sind im Münchner Hofgarten entstanden. Szenerie und Kostüme nehmen Bezug auf die historische Bedeutung des Orts als Schauplatz der nationalsozialistischen Propagandaausstellung „Entartete Kunst“ im Jahr 1937. Die „Munich Edition“ von „Sufferhead“ wurde für die Ausstellung „Tell me about yesterday tomorrow“ im NS-Dokumentationszentrum München realisiert, in der noch bis zum 30. August eine Installation von Ogboh zu sehen ist …“ www.publicartmunich.de
www.yesterdaytomorrow.nsdoku.de/ogboh

Laure Prouvost: Biennale-Beitrag auf Tournee

Der Beitrag von Laure Prouvost für den französischen Pavillon auf der Biennale von Venedig 2019 geht in den kommenden Monaten auf Tournee. Erste Station ist das Museum „Les Abbatoirs“ in Toulouse (bis 31. Mai 2020). Basis des künstlerischen Projekts „Deep See Blue Surrounding You / Vois ce Bleu Profond Te Fondre“ ist ein fiktiver Film, der für die Präsentation in Toulouse um eine temporäre Installation ergänzt wird, die speziell an die dort vorhandenen Räume angepasst ist. Der Film wurde auf einer Reise durch Frankreich gedreht – die Route verlief von den Banlieues am Stadtrand von Paris über den „Palais Idéal“ des Briefträgers Ferdinand Cheval (1836–1924) in Hauterives bei Lyon bis zum Mittelmeer. Cheval hatte in seiner Freizeit von 1879 bis 1912 mit gesammelten Steinen, Muscheln und anderen Fundstücken an diesem begehbaren Palais gearbeitet, über den sich die Surrealisten um André Breton begeisterten und das der Kulturminister André Malraux 1969 unter Denkmalschutz stellte. Prouvosts Film begleitet die Aufnahmen von solchen Orten durch Dialoge und Redewendungen in verschiedenen Sprachen.
www.lesabattoirs.org

Berlin: „Förderung der Sichtbarkeit“

Vergleicht man die Mitgliedszahlen im Bereich Bildender Kunst in der Künstlersozialkasse (derzeit ca. 65.000) mit der Zahl der Museen (6.800, davon nur 660 im Bereich Kunst) und der Zahl der Galerien (etwa 1.000, davon ca. 700 als Mitglieder im Galeristenverband BVDG), dann wird deutlich: sich mit Malerei oder Bildhauerei an einem halbwegs renommierten Ausstellungsort profilieren zu können, ist rein mathematisch gering. Dies gilt in besonderem Maße für eine Kunstmetropole wie in Berlin, wo die Künstlerdichte mit 10,9 pro 1.000 Einwohner am höchsten ist. Daher haben die KW Institute for Contemporary Art und BPA // Berlin program for artists eine Partnerschaft vereinbart, um der aufstrebenden lokalen Kunstszene „mehr Sichtbarkeit“ zu verschaffen. Im Frühjahr 2020 findet an den drei Terminen die Vortragsreihe BPA Talks in den KW statt. Hier können eingeladene Kunstschaffende in jeweils einstündigen Präsentationen ihre Arbeit einem breiten Publikum vorstellen. Die nächsten Termine sind der 6. April und der 4. Mai 2020. Zum Auftakt dieser Reihe „BPA Exhibitions“ präsentieren Kévin Blinderman, Sofia Leiby, Mooni Perry, Shirin Sabahi, Jana Schulz, Joshua Schwebel, Adam Shiu-Yang Shaw, Xiaopeng Zhou ihre Arbeiten.
www.kw-berlin.de

Dialogreihe der Biennale für aktuelle Fotografie

Die Dialogreihe Fotografie & Wissenschaft ist eine Kooperation zwischen dem Institut für Europäische Kunstgeschichte (IEK) der Universität Heidelberg, dem Deutsch-Amerikanischen Institut Heidelberg (DAI) und der Biennale für aktuelle Fotografie. Wambach. Am 5. März 2020 diskutieren Simon Starling + Joachim Wambsganß über „Astronomy and Photography: How Black Drops lead to Innovations“. Es folgt am 19. März 2020 ein Gespräch von Andrea Diefenbach und Hans Jäger unter dem Titel „Die Kamera als stiller Begleiter“ – Hintergrund ist eine Fotodokumentation von Diefenbach über Menschen mit HIV-Virus. Um Kriegsdarstellung und Propaganda geht es am 31. März 2020 in der Diskussion über „Cruel Exposurs“ mit dem Künstlerduo Broomberg & Chanarin und dem Juristen Grischka Petri.
www.biennalefotografie.de

Body Performance

Die Art Performance ist gemeinhin als ein Live-Ereignis definiert, das vor Publikum stattfindet. Ein Festhalten des Ablaufs mit Film oder Fotografie hat dann lediglich eine dokumentarische Funktion. Künstler wie Jürgen Klauke realisierten aber schon vor 40 Jahren Foto-Performances; und in ähnlicher Weise kombiniert die „inszenierte Fotografie“ ein Agieren vor der Kamera mit dem anschließenden Bild: während ein Model gemeinhin den Anweisungen eines Fotografen oder Regisseurs folgt, bedeutet der Performance-Auftritt ein autonomes Handeln. Unter dem Titel „Body Performance“ zeigt das Berliner Museum für Fotografie eine Gruppenausstellung über „den bewegten Menschen und seinen Körper“. Vanessa Beecroft, Erwin Wurm, Yang Fudong, Barbara Probst, Inez & Vinoodh, Jürgen Klauke, Robert Longo, Viviane Sassen, Robert Mapplethorpe, Bernd Uhlig und Helmut Newton vermitteln dem Publikum einen Einblick in die „Welt der Rollenspiele, Aktionskunst und des Voyeurismus“.
www.smb.museum/museen-und-einrich-tungen/museum-fuer-fotografie/home.html

25 Jahre Künstlerhaus Schloss Balmora

Vor 25 Jahren wusste außerhalb von Rheinland-Pfalz kaum jemand, dass nicht nur ein Balmoral Castle in Schottland als Landsitz der britischen Königin existiert, sondern in Bad Ems ebenfalls ein Schloss Balmoral, eigentlich eher eine Villa, die sich ein russischer Gutsbesitzer dort 1867 / 68 errichten ließ und später als Hotel genutzt und dann auch umbenannt wurde. Inzwischen ist das Künstlerhaus Schloss Balmoral international bekannt, denn inzwischen registriert man dort pro Jahr 8.000 Bewerbungen aus aller Welt für einen Stipendienaufenthalt. Jetzt blickt dieses Künstlerhaus auf 300 Förderungen in 25 Jahren zurück; Das Programm im jetzigen Jubiläumsjahr steht unter dem Motto „KuR – Kunst des Reisens“.
www.balmoral.de

Düsseldorf: PHOTO+

Querelen innerhalb der Düsseldorfer Kunstszene hatten dem dortigen Fotofestival negative Schlagzeilen beschert. Damit eine solche Initiative nun nicht „sang- und klanglos unter geht“, unternimmt eine Arbeitsgruppe einen neuen Anlauf und kündigt für den 13. März 2020 zeitgleiche Eröffnungen unter dem Label photo+ an. „Die Photo AG – Christine Erhard, Rupert Pfab, Thomas Rieger, Carl Friedrich Schröer und Pola Sieverding – hat Ljiljana Radlovic mit Aufbau und Organisation von düsseldorf photo+ betraut.“ Ergänzend zu den geplanten Ausstellungen werden „Fragen der Fotografie wie der digitalen Bildmedien auf einem wissenschaftlichen Symposium bei Philara diskutiert.“

Pfeffersprays Für Graz

Österreich wird zwar jetzt von einer schwarz-grünen Koalition regiert, doch damit ist rechtspopulistisches Gedankengut nicht über Nacht aus den Köpfen verschwunden. Daher verteilt im Rahmen des Grazer Kulturjahres 2020 die Neigungsgruppe K.O. „7.000 Pfeffersprays für Graz“ – in Anspielung an das Kasseler „7.000 Eichen“-Projekt von Joseph Beuys in den 1980er Jahren. „Es handelt sich um signierte und nummerierte Betonabgüsse der auch von der Polizei verwendeten Pfeffersprays“. Diese Aktion ironisiert die (rechts-)populistische Generalmobilmachung beim Thema Sicherheit und regt zur Reflexion über die wahren Bedürfnisse einer Kommune an.
www.kulturjahr2020.at

Bochum: Mauerfall und Gender-Geisterbahn

Helene Skladny, Stephan Strsembski und Matthias Schamp eröffneten am Schwanenmarkt 1 in Bochum einen gleichnamigen Projektraum in einem „ehemaligen Kiosk + Bedürfnisanstalt“. Sie definieren „Schwanenmarkt 1“ als „Labor für Kunst und soziale Recherche“. „Involviert“ sind auch „sechs Seminare der Evangelischen Hochschule RWL“. Zur Eröffnung griffen die Künstler zum Vorschlaghammer: just in dem Moment, als Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seiner Rede zum Jubiläum „30 Jahre Mauerfall“ dazu aufrief, „neue Mauern einzureißen“, nahmen sie seine Ansprache wortwörtlich und schlugen ein Loch in die Wand, die bisher den Kiosk vom Toilettenraum abtrennte. Als nächstes Projekt installierte die Gruppe dort eine „Gender-Geisterbahn“, durch die „die Toilettensituation“ in dem Kiosk mit der „geschlechtlichen Differenzierung in ,Damen‘ und ,Herren‘ ins Absurde überführt“ wird. Der Zugang zur „Gender-Geisterbahn“ erfolgt „für die männlichen und weiblichen Besucher strikt getrennt durch jeweils eigene Eingangstüren. Aber auch für das dritte und alle eventuellen weiteren Geschlechter wurde ein Durchschlupf geschaffen. Im Inneren erwartet die Besucher ein aus mehreren Partitionen bestehendes Environment. Mit Multimedia und Aktionen. Über einen Steg, der über eine Wasserfläche führt, können die Geschlechter zueinander finden. Dafür wurde eigens ein Raum unter Wasser gesetzt …“
www.der-schamp.de

Kunstalle Münster: Moon Machine

Der blinde Komponist, Dichter und Musiktheoretiker Moondog (1916–1999) war eine wichtige Figur der Counterculture der 1960 und -70er Jahre. Sein nomadischer Lebensstil führte den Amerikaner ab Mitte der 1970er Jahre zunächst nach Hamburg, dann über Recklinghausen nach Münster, wo er bis zu seinem Tod lebte. Die Kunsthalle Münster verwandelt sich vom 11. Februar bis zum 19. April 2020 in eine Bühne, in ein synästhetisches Spektakel. Ausgehend von den Werken Moondogs haben der Komponist Thies Mynther und der Theatermacher Veit Sprenger in Zusammenarbeit mit dem bildenden Künstler Tobias Euler eine interventionistische Musikmaschine geschaffen. Zur Eröffnung und am Ende der Ausstellung (11. Februar bis zum 19. April 2020) bespielen Thies Mynther und Veit Sprenger die Moon Machine in ihren je unterschiedlichen Zuständen. Für die Dauer der Schau bleibt die Maschine jedoch keinesfalls stumm, sondern wird in der Abwesenheit der beiden Performer selbst zur Akteurin …“
www.kunsthalle.muenster.de
www.artefakt-berlin.de/aktuelle-projekte/ kunsthalle-muenster

Recherche-Stipendium zur Documenta

Das Goethe-Institut und das documenta archiv in Kassel haben ein neues Stipendienprogramm für internationale Kuratorinnen und Kuratoren sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ins Leben gerufen. In sechsmonatigen Rechercheaufenthalten in Kassel erhalten insgesamt sechs Fellows ab Frühjahr 2020 die Möglichkeit, ihre lokal verankerten Recherche-Interessen in Verbindung mit einzelnen Aspekten der documenta-Geschichte zu erforschen. Die Ergebnisse werden dann im nächsten Documenta-Jahr 2022 publiziert.
www.goethe.de/kunst

Tobias Berger kuratiert Kölner Skulpturenpark

Michael und Eleonore Stoffel initiierten 1997 einen 35.000 qm großen Skulpturenpark an der Kölner Zoobrücke. Das Areal ist ganzjährig bei freiem Eintritt zugänglich. Alle zwei bis drei Jahre wird das Ensemble neu geordnet. Zum Kuratieren erfolgen externe Berufungen: 2017 verantwortete Chus Martínez das Programm. KölnSkulptur #10 kuratiert in diesem Jahr Tobias Berger. Er war von 2010 bis 2015 Kurator für Bildende Kunst am M + Museum in Hongkong und ist derzeit dort in Hongkong Chefkurator am Tai Kwun Centre of Heritage and Arts. Die Eröffnung des neuen Skulpturenprogramms ist für Juli 2020 angekündigt. Es läuft dann bis Sommer 2022.
www.skulpturenparkkoeln.de