Ausstellungen: Mönchengladbach · von Sven Drühl · S. 347
Ausstellungen: Mönchengladbach , 2000

Sven Drühl

Albert und Markus Oehlen

»Der Ritt der sieben Nutten – Das war mein Jahrhundert«

Museum Abteiberg, Mönchengladbach, 15.10.2000 – 7.1.2001

Sehr schön: „Der Ritt der sieben Nutten“ – das sitzt – ein Titel wie eine Ohrfeige. Er reiht sich schlüssig in die Liste der kuriosesten Ausstellungstitel ein, zu der zumindest Albert Oehlen schon diverse Highlights beigesteuert hat. Schön außerdem: Oehlen mit/gegen Oehlen, das gab es seit der Schau „Realidad Abstracta“ 1990 in Santander nicht mehr. Nun bestreiten die Brüder also ihre erste gemeinsame Museumsschau. Ort des Geschehens ist – wie sollte es anders sein – natürlich Mönchengladbach.

Von jeher waren die Oehlens Garanten eines provokativen Auftritts – laute Selbstinszenierungen, krude Bilder, Zeichnungen, Collagen und Skulpturen inklusive. Die Geschichte ist schnell erzählt und fast jeder kennt sie. In den frühen achtziger Jahren begann der Siegeszug der in Krefeld geborenen Künstler durch die deutsche, später auch internationale Kunstlandschaft. Gemeinsam mit Weggefährten wie Martin Kippenberger und Werner Büttner stießen sie mit Vorliebe Kuratoren, Künstler, Schreiber und auch Sammler vor den Kopf und kämpften gegen die ihrer Ansicht nach überall vorherrschende „Kunstscheiße“. Haltung zeigen. Jeder gegen jeden oder „Keiner hilft keinem“, wie es der Slogan der Grazer Lord Jim Loge, einer artistischen Trinkvereinigung um Jörg Schlick, zu der auch Albert Oehlen zählt, propagiert. In den neunziger Jahren gingen die Vorreiter der professionellen Beleidigung und Verunsicherung dann vorwiegend getrennte Wege. Kippenberger starb tragischerweise, die anderen sind größtenteils zu Lehrenden an deutschen Kunstakademien geworden. Das System gewinnt immer.

Doch zurück zu den Gebrüdern Oehlen. Heute, beide Künstler sind bereits Mitte…

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