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Magazin: Publikationen · von Claudia Wahjudi · S. 493 - 495
Magazin: Publikationen , 1997

Alle gegen einen

Zuletzt: Kultur von Ulrich Roloff-Momin

Ein Senator braucht gute Berater, auch ein ehemaliger. Ulrich Roloff-Momin hat Erinnerungen an seine Zeit als Berliner Kultursenator aufgeschrieben, und weil das nach Enthüllungen klingt, hat sein Verlag die Erwartungen mit einer Sperrfrist geschürt. Um so peinlicher, daß nun Ruhe herrscht: Es kommen keine Klagen, noch nicht einmal Kommentare der Erwähnten.

Es fehlt noch ganz anderes. Der parteilose Roloff-Momin, den Walter Momper in den Senat gerufen hatte, widmet die Seiten seines Buchs denselben Institutionen, von denen auch sein Nachfolger Peter Radunski (CDU) schwärmt: zuallererst den großen Theatern und Opern. Der freien Szene dagegen ist bloß ein Alibi-Kapitel gewidmet. Auch Frauen scheint der Autor nicht zu kennen. Der Umbau der Museumsinsel, der Ateliernotstand, die Planungen zum Hamburger Bahnhof: ebenfalls Fehlanzeige. Was um so mehr verwundert, als der Autor die Bildende Kunst kennen müßte. Lange war er Präsident der NGBK und der Hochschule der Künste.

Um so deutlicher unterstreicht Roloff-Momin seine Erfolge an den Bühnen, an Komischer Oper, Volksbühne, Deutscher Staatsoper. In der frisch vereinten Stadt standen Stellen zur Disposition, der Kulturetat war doppelt so groß geworden, in den Verwaltungen aber, so Roloff-Momin, wurden Entscheidungen zerredet. „Johann Kresnik, Frank Castorf oder auch Daniel Barenboim“, schreibt er, „wären nicht nach Berlin verpflichtet worden, wenn ich ihre Berufung als Vorschläge einem Landesparteitag oder einem Fraktionsvorstand zur Abstimmung vorgelegt hätte.“ Einer gegen alle. Denn seinen Kollegen bescheinigt der Ex-Senator Mißtrauen gegen die Kultur, nicht nur, weil diese stets der letzte Tagesordnungspunkt bei Senatssitzungen war. Neu ist freilich nichts davon. Finanzsenator Pieroth,…

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