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Ausstellungen: Hamburg/Bremen/Wien · S. 361 - 361
Ausstellungen: Hamburg/Bremen/Wien , 1989

Thilo Koenig
Allen Ginsberg

Fotografien 1953 bis 1988,

Kampnagel-Fabrik, August/September 1989

Wer schon immer einmal die Vorbilder für Jack Kerouacs Romanfiguren näher betrachten wollte, dem geben die Fotografien von Allen Ginsberg dazu reichlich Gelegenheit: ein Blick ins Familienalbum der „Beat-Generation“, jener Schriftsteller um die anfängliche Gruppe Ginsberg, Kerouac und William Burroughs, die seit 1944 durch die Staaten unterwegs waren und bald die amerikanische Literaturwelt in Atem hielten. Die Veröffentlichung der (seit 1985 international ausgestellten) Amateuraufnahmen des heutigen Literaturprofessors Ginsberg im foto-kulturellen Kontext macht aber auch deutlich, daß nicht alle unprofessionell entstandenen und zuweilen unscharfen Fotos mit dilettantischem Charme, aber historischem Wert, schon deshalb bildliche Qualitäten aufzuweisen haben; und wenn bei der Wiederentdeckung bedeutende Fotografen wie Berenice Abbott und Robert Frank Pate standen. An dessen „street-photography“ erinnert nur sehr wenig – etwa mehrere Aufnahmen des Schriftstellers Neal Cassidy, die den ehemaligen Autodieb und Eisenbahnbremser sowie Anreger der Hauptfigur im Roman „On the Road“ vor einem Kino zeigen (wo „The wild one“ mit Marlon Brando läuft!) und bei einer der damaligen Schlüsselbetätigungen, dem skeptischen Studium von Gebrauchtwagen-Angeboten. Hier ist einmal das zu spüren, was Frank Mitte der 50er Jahre mit seinen Fotografien des amerikanischen Alltagslebens erreicht hatte – die Verbindung des neuen Lebensgefühls mit einer adäquaten spontanen Kameraästhetik.

Gleichwohl bestanden schon früh Verbindungen zu Robert Frank: Ginsberg, sein Lebensgefährte Peter Orlovsky und der Dichter Gregory Corso spielten Rollen in seinem wundervollen „Beat“-Streifen „Pull my daisy“ (1959, nach einem Drehbuch von Kerouac, der schon ein Jahr früher das Vorwort zu Franks „The Americans“ geschrieben hatte).

Die Ausstellung zeigt…


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