Magazin , 2000

Analog – digital –
ein neuer Bilderstreit?

Mit dem Auftreten der elektronischen Medien ist der Status des Bildes erneut in die Diskussion geraten. Dabei geht es nicht so sehr um die eindimensionale Behauptung einer „Bilderflut“, die in den Argumenten naiver Bilderstürmer zur Plattitüde verkommen ist, sondern vor allem um eine qualitative Standortbestimmung. Was ist ein Bild? Was unterscheidet es von einem Medium? Verfügen analoge und digitale Bilder über den gleichen Bildstatus oder sind hier Differenzen auszumachen?

Diesen Fragen geht die vorliegende Publikation Bild-Medium-Kunst nach, die das Phänomen Bild aus den verschiedensten Positionen beleuchtet. Experimentalfilmer wie Malcolm Le Grice oder Graham String Weinbren, die Fotografen Bernd und Hilla Becher, Medienkünstler wie Jill Scott oder Clea T. Waite setzen sich mit den historischen Verschiebungen und dem aktuellen Nebeneinander von analogen und digitalen Bildern auseinander. Ihre Spannung bezieht die Publikation aus der Verknüpfung und Gegenüberstellung von künstlerischen und theoretischen Annäherungen, die sich im Spektrum von kunstwissenschaftlichen Definitionen des Bildes (z.B. Gottfried Boehm) über filmtheoretische Bestimmungen der Bild-Differenz (Joachim Paech) und medientheoretische Haltungen (Edmond Couchot, Sean Cubitt) bewegen.

Vor allem von kunstwissenschaftlicher Seite sind Versuche einer emphatischen Abgrenzung des traditionellen Bildes vom digitalen Bild zu beobachten. Des öfteren werden oppositionelle Gefüge eröffnet, die sich in zunächst paradoxen Unterscheidungen von „bildlichen“ versus „bildlosen“ Bildern äußern. Ein Unbehagen an der möglichen Bildlichkeit elektronischer oder gar numerischer Bilder ist einigen Beiträgen deutlich anzumerken, wobei der inzwischen auch im Museum angekommenen Videokunst durchaus Bildstatus zugesprochen wird. Das digitale Bild steht unter dem Verdacht, kein wirkliches Bild, sondern eher ein Bild…

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