Monografie , 1975

Eberhard Roters

Andreas Brandt

Inhalt der Bilder Andreas Brandts ist das Bild. Das bedeutet, daß der Inhalt des Bildes nicht nur mit der Form des Bildes identisch, sondern auch durch das Format des Bildes determiniert ist. Genauer gesagt: Inhalt der Bilder Andreas Brandts ist die Wahrnehmung des Bildes als Bild.

Es handelt sich um das transportable Bildgeviert, – das Tafelbild. Selbiges wurde innerhalb der letztvergangenen Jahrzehnte von den Theoretikern mehreremale totgesagt, feierte aber infolge des Eigenwillens der Künstler stets wieder fröhliche Auferstehung. Anlaß für das wiederholte Ausstellen der Sterbeurkunde sind Tendenzen einer Entwicklungsrichtung der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Problem des Tafelbildes, die um 1913, also vor nunmehr sechs Jahrzehnten einsetzen. Hauptstationen am Beginn jenes Entwicklungsweges sind sowohl die suprematistischen Gemälde des Russen Malewitsch, als auch die Stijl-Tableaus des Holländers Mondrian. Zu den weiteren Stationen gehören beispielsweise die weiß in weiß strukturierten Bilder der polnischen Unisten Strzemininski und Staszeweski, sowie, nach dem zweiten Weltkrieg, Zeugnisse aus dem Umkreis von Zero international, etwa die weißen Bilder von Manzoni, Castellani und Mack. Die Reduktion der Möglichkeiten des transportablen Bildgevierts auf die letzte Konsequenz schien der Geschichte des Tafelbildes einen Schlußpunkt zu setzen, wohingegen aber Yves Klein das Stadium der letzten Konsequenz wieder als Grundlage dafür verwendete, in seinen blauen Bildern die Bildfläche mit metaphysischer Emotion qualitativ neu zu beladen, und im Seitenblick von hier aus auf die anderen genannten Beispiele ist festzustellen, daß in den benutzten Formeln der ‚endgültigen‘ Bildreduktion hier und da die von den Autoren gewünschte Absicht einer transzendenten Deutung hervorschimmert.

Anscheinend nebeneinander bestehen mehrere…

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von Eberhard Roters

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