Magazin · von Stefan Römer · S. 505
Magazin , 2000

Anthologie künstlerischer Projekte

Das lakonisch mit „Lab. Jahrbuch 1999 für Künste und Apparate“ betitelte und von der Kunsthochschule für Medien in Köln herausgegebene Kompendium umfasst eine Auswahl von Diplomabschlussarbeiten seit 1993. Das Problem solcher Veröffentlichungen ist oft die Heterogenität nicht nur der dargestellten Inhalte, sondern auch der Medien; doch liegt in dem anthologischen Charakter auch die Spannung des unvermittelt aufeinandertreffenden Diversen. In den jährlichen, „Rundgang“ genannten, Präsentationen der studentischen Arbeiten bleiben den flanierenden BetrachterInnen oft die theoretischen Zugänge verschlossen. Dass diese studentischen Projekte aber zum Teil mit sehr ausgearbeiteten theoretischen Konzeptionen aufwarten, davon kann man sich in „Lab“ überzeugen. An dieser Heterogenität und Reflexivität der Positionen scheint sich die Differenz zu den meisten Akademien zu manifestieren.

Fiktive Erzählungen wie Ricardo P. Wendes Video „Undercover – A Hollywoodproject“ finden sich neben Untersuchungen zum Medium Dokumentarfilm wie „Tanz der Rotgardisten“ von Xinru Nie. Wer hat nicht den Film „Nico-Icon“ von Susanne Ofteringer im Kino oder TV gesehen: Das Portrait der Kölner Brauereitochter, die in die New Yorker Szene um Warhols Factory und die Band Velvet Underground eingetaucht und zu einer ihrer wichtigen Figuren geworden ist. Dieser Film wurde durch seine besondere Verfahrensweise, die Kompilation von größtenteils bereits existierendem Material, zu einer spezifischen filmischen Setzung.

Nicht nur unterschiedlichste Arbeiten des Filmbereichs präsentiert das „Lab“ in Text und Bild. Selbstbefragungen wie Achim Monés Installation „Mein Name sei“, der von der subjektiven Bildlichkeit von Sex handelt, oder Claudia Schinks Versuch, die abendländische Kultur anhand einer erzählten Begriffsgeschichte mit abstrakten Ölbildern zu illustrieren („Das Abendland I. Die Legende“) umreißen…

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