Ausstellungen: Kiel · von Jens Rönnau · S. 381
Ausstellungen: Kiel , 1997

Jens Rönnau

Antony Gormley

»Our House«

Kunsthalle zu Kiel, 2.3. – 13.4.1997

Zur Eröffnung seiner Ausstellung „Our House“ in der Kieler Kunsthalle ergriff der Brite Antony Gormley (Jahrgang 1955) selbst das Wort. Er sei am Vortag in Hamburg gewesen und in der Bahn auf viele der Demonstranten gestoßen, die gegen die sogenannten Castor-Transporte von Nuklear-Abfällen auf die Straße gingen. Das, so Gormley, hätte ihn sehr beeindruckt, weil diese Menschen sich für den Erhalt unserer Erde und für die Menschen einsetzen würden. Mit diesen Worten hatte er gleichzeitig einen Schlüssel zu seinen Arbeiten geliefert, für die der Mensch und seine Existenzfrage im Mittelpunkt steht.

Seit 1980 beschäftigt Gormley sich mit den Körpern von Pflanzen, Tieren und vor allem mit dem menschlichen Körper, seinem eigenen zunächst, den er in verschiedenen Positionen (sitzend, stehend, liegend, kauernd) abformt und diese Abformungen schließlich anonymisierend mit Bleiplatten überzieht. Es entstehen Hohlkörper von magischer Ausstrahlungskraft gleichsam als Formel für Körperhülle, aber auch für diese Hülle als Behausung des Geistes. Ende der 80er Jahre beginnt Gormley ein internationales Animationsprojekt mit dem Werkstoff Ton. Aus grobem Ton, aus dem sonst Ziegelsteine gebrannt werden, läßt er zunächst in Mexiko, dann auch in England und Schweden Zehntausende von gnomhaften Figuren formen. Ob es sich nun um mexikanische Ziegelbrenner-Familien handelt oder, wie in Schweden, um Kinder und Erwachsene eines Volkshochschulkurses, sie haben alle die gleiche Aufgabe: einen Klumpen rotbrennenden Lehms mit den Händen zu einem gliederlosen Körper mit Kopf zu formen, dem mit einem Gegenstand lediglich zwei Augenhöhlen eingestochen werden. Wenige Anweisungen gibt es: die Figuren sollen…

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