Dissonante Perspektiven ,

Dissonante Perspektiven

Arbeitsmarkt Kunst ?

Hans Ulrich Reck

Seit die Künstler aus den Zünften herausgetreten sind, seit die Aristokratie und Höfe die Freiheit der Kunst nicht mehr schützen und fördern, seit für sie weder ästhetisch noch sozial klare Aufgaben – ihre Gestalt, Form, Funktion, Wirkung, Reichweite – definiert sind, bewegen sich die Künstler im Unsichtbaren, einem Nirgend-Ort am Rande oder in einem Vakuum der Gesellschaft. Also, zugespitzt: irgendwo und irgendwie. Sie sind frei, sich zu entwerfen, wie sie wollen, frei aber auch, ihre Auftraggeber, Interessenten oder auch: ihre Abnehmer selber suchen zu müssen. Sie bezahlen ihre Freiheit mit deren Grenzen – und Wirkungslosigkeit. So kommt es dazu, dass, spätestens gegen Ende des 19. Jahrhunderts, sie sich mit den ihnen entgegengehaltenen Verwerfungen und Verfemungen zu identifizieren beginnen. Aktive Vereinigung mit dem Aggressor, kann man diesen Mechanismus mit Recht auch hier nennen. Sie machen das, was ihnen die Gesellschaft als Mangel vorhält, nun zum Adelstitel ihrer Identität: Krankheit, Wahnsinn, Asozialität, Verwerflichkeit, Amo ralität. Die Sache bleibt nicht nominell: Sie empfinden sich wirklich so.

MACHT, KONVENTION, AUFBRUCH

Das hat eine lange Geschichte, die mit einer ästhetischen Emanzipation beginnt und schließlich im Sozialen sich mit fatalem Erfolg fortsetzt. Das Bestehen auf Autonomie war so erfolgreich, dass die Künstler sich in einem eigenen Terrain von Selbstbestimmung wiederfanden und erst dann merkten, dass der Gesellschaft an ihnen nichts mehr fehlt, dass sie also ebenso erfolgreich wie folgenlos versucht haben, einen eigenen Ort zu besetzen, Die Gesellschaft (undifferenziert, als ganzes, als systemische Größe) hat sich nicht mehr für sie interessiert. Das muss…

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von Hans Ulrich Reck

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