Ausstellungen: Hamburg , 1985

Peter Winter

Armando

Hamburger Kunstverein, 4.4. – 19.5.1985

– Traumata in Grau
– Ich muß vor allem einfach werden
– Ein Niederländer an der Alster
– Schwarze Fahnen, schwarze Kreuze, schwarze Bäume
– Vom kriminellen Bild zum Schlachtentableaux
– Erinnerungs-Beschwörung in Grau
Die sogenannten Nichtfarben Weiß und Schwarz malt Armando auf sein Papier. Der mit einem Deutschland-Syndrom produktiv beladene Künstler, der inzwischen an vielen Orten, von Kassel bis Venedig, erfolgreich präsent ist, beschränkt seine Palette bereits seit mehreren Jahrzehnten auf unbunte Töne. Die jetzt im Kunstverein Hamburg vorgeführten Bildreihen aus den fünfziger und den achtziger Jahren belegen die enge Affinität des Malers zu den Grauwerten und die Bevorzugung weniger Motive über die Zeitläufe hinweg. Die Handschrift hat sich inzwischen zwar etwas verändert, wandelte sich von spröde bis weich; die Vorliebe des seit 1979 in Berlin lebenden Niederländers für gedeckte Valeurs und dezente Strukturen ist jedoch geblieben.

Obwohl die Gemälde zumeist keine sichtbare Gegenständlichkeit erkennen lassen, weisen die Titel, die Armando ihnen gibt, darauf hin, daß es ihm stets um ganz konkrete Anlässe und Motive geht, vor allem um Sujets, die ihn seit seiner Kindheit, konfrontiert mit den bedrohlichen Schatten einer Besatzungsmacht, beeindruckten und beschäftigten.

Fahnen, militante Orden und chauvinistische Embleme, verwehte Landstriche mit ominösen Erinnerungsspuren, karge Baumgerippe und nebelverhangene, chiffrendurchzogene Topografien im Niemandsland beherrschen die Schwarz-Weiß-Kompositionen des einstigen DAAD-Stipendiaten.

Er ist ein Schlachtenmaler, postiert in dem unsichtbaren, abstrakt agierenden Generalstabsunterstand, wo Menschen und Material keine Rolle spielen, wo lediglich Markierungswimpel und abgezirkelte Aktionsflächen einen Stellenwert besitzen. Er ist ein Stratege in Grau, ein Artist der differenzierten Valeurs, ein gewiefter Bildregisseur, der nicht…

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