Ausstellungen: München · von Michael Hauffen · S. 433
Ausstellungen: München , 1997

Michael Hauffen

Arthur Køpcke – fill with own imagination

kunstraum münchen, 13.9. – 12.10.1996

Wenn einem nahezu unbekannten Künstler einige Zeit nach seinem Tod die Ehre widerfährt, eine Einzelausstellung in einem Raum für zeitgenössische Kunst zu bekommen, stellt sich leicht die Befürchtung ein, daß sich wieder einmal jene Langeweile verbreitet, die das Gesetz der Musealisierung als Symptom seiner Entfremdung zu begleiten pflegt.

Arthur Køpcke war in seiner produktiven Phase an den avantgardistischen Strömungen der „Fluxus“-Kunst maßgeblich beteiligt, wobei es nicht zuletzt darum ging, die subtilen Machtmechanismen herauszufordern, die sich in der institutionalisierten Trennung von Akteur, Kenner und nur staunendem Publikum verbergen. Er hätte von daher einiges einzuwenden gehabt gegen die Rolle eines verkannten Genies, die einer späten Würdigung unweigerlich anhaftet.

Angriffe gegen Strukturen, in denen die Angreifer selbst um eine Position kämpfen, führen allerdings in der Regel nicht zu deren Beseitigung, sondern reproduzieren sie vielmehr, auch wenn dabei im Detail Veränderungen resultieren. Im Fall Køpckes lassen sich einige Anzeichen dahingehend deuten, daß er sich mit dieser Logik nicht arrangieren wollte, sondern ihr zu entfliehen versuchte. Schon früh hatte er beispielsweise den Entschluß gefaßt, die BRD zu verlassen und Däne zu werden, weil er den Eifer mit dem hierzulande in der Nachkriegszeit Geschichte zugunsten von wirtschaftlichem Erfolg verdrängt wurde, nicht mit ansehen konnte oder wollte.

Im Feld der Kunst bestand für ihn die analoge Form der Abwendung darin, daß er für die herkömmliche Figur des Künstlers und seines Werks als Mittelpunkt unreflektierter Anbetung alternative Modelle konstruierte. Seine künstlerische Methode bestand in einem analytischen Focus auf das, was…

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