Magazin: Symposien & Kongresse , 1994

Andreas Denk

»Auf Zeit daheim«

Der Kongress »Chancen des Kunstverleihs« in Bonn

Die Idee, Kunst zu verleihen, kommt selbstverständlich aus den USA, wo es – so will es die Fama – bereits um die Jahrhundertwende erste Leihinstitute gegeben haben soll. Feststeht, daß das künstlerische Leihwesen in der Bundesrepublik in den fünfziger Jahren ersten Anschub erhielt und in den siebziger Jahren unter dem Motto „Kultur für alle“ besonders stark gefördert wurde. Heute gehören Artotheken, Graphotheken und Stadtbildereien in vielen Städten zu den unverzichtbaren Vermifflungsinstituten zeitgenössischer Kunst.

Erstmals im vergangenen November trafen sich auf Initiative des Leiters der Artothek im Bonner Kunstverein, Johannes Stahl, 32 Vertreter von heute etwa 110 deutschen Artotheken in Bonn, um unterschiedliche Arbeitssituationen, Ausstattungen, Ankaufs und Leihbedingungen zu diskutieren. Nicht von ungefähr fand dieses Treffen in prekärer Zeit statt, in der viele der meist am Existenzminimum operierenden Institutionen von der Schließung bedroht sind. Die Tatsache, daß etwa 40 Artotheken bundesweit ihren Betrieb bereits einstellen mußten, zwingt zu gemeinsamem Handeln.

Dabei steht den Institutionen eigentlich ihre unterschiedliche Organisationsform im Weg: Westdeutsche Artotheken sind zum größten Teil – wegen der prinzipiellen Ähnlichkeit des Leihvorgangs – Bibliotheken (und auch dem Deutschen Bibliotheksinstitut) angeschlossen die jeweiligen Leiter also nicht weisungsberechtigt. Besonders ungünstig wirkt sich dies derzeit bei der Kölner Artothek (Leiterin: Christiane Dinges) aus, die sich durch ihre enge Zusammenarbeit mit der ansässigen Künstlerszene große Verdienste erworben hat. Dort will der Bibliotheksdirektor absurderweise den Leihverkehr einstellen, einen Ausstellungsraum jedoch weiter betreiben. Etwas freier von solchen Eingriffen dürfen sich Artotheksleiter fühlen, die unmittelbar einem städtischen Kulturamt oder Kunstvereinen…

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