Ausstellungen: Leverkusen · von Susanne Boecker · S. 244
Ausstellungen: Leverkusen , 2016

Susanne Boecker

Aufschlussreiche Räume

»Interieur als Porträt«

Museum Morsbroich, Leverkusen, 31.1. – 24.4.2016

Ob Mark Manders Christian Morgenstern kennt? Von dem deutschen Dichter stammt der Aphorismus „Zeige mir, wie du baust, und ich sage dir, wer du bist“ – ein Gedanke, den Manders in seinem Projekt „Self-Porträt as a Building“ auf sehr eigenwillige Weise aufgreift. Seit 30 Jahren entwirft der Niederländer Fragmente eines Selbstporträts in Form imaginärer Räume. Zwei Beispiele dieser wortlos konstruierten Gedanken- und Erinnerungsarchitekturen eines Ich markieren den Auftakt zu der Ausstellung „Aufschlussreiche Räume. Interieur als Porträt“ im Museum Morsbroich.

Anhand von sechzehn künstlerischen Positionen umkreist Kurator Fritz Emslander die Rolle, die das Wohnen in zeitgenössischen Lebens- und Selbstentwürfen spielt. Der intime Rahmen des im 18. Jahrhundert als Maison de Plaisance im Rokokostil errichteten Schloss Morsbroich eignet sich hervorragend für diese Introspektion. In unserer Lifestyle-Gesellschaft ist das Wohnen zum Leitthema der Individualisierung geworden. Im Spannungsfeld von Zeigen und Verbergen, Repräsentation und Rückzug, Entgrenzung und Cocooning, Öffentlichkeit und Privatsphäre ist es heute enger denn je „an persönliche Sinnsuche gekoppelt“ und der Wohnraum zum „Schauplatz der eigenen „(Wunsch-) Identität“ (Peter Wippermann) geworden.

Die Ausstellung ist nicht als systematische Analyse des Themas angelegt, sondern entfaltet sich in den historischen Raumfolgen als assoziationsreicher Parcours. Gleich zu Beginn stoßen wir auf die ganz zauberhaften Atelierbilder von Romain Cadilhon. Die kleinformatigen, äußerst präzisen Bleistiftzeichnungen gewähren Einblick in den Arbeits- und Lebensraum des Künstlers: Ein lichtdurchflutetes, luftiges Altbauzimmer mit hohen Decken, Stuck, Dielenboden und „kreativer“ Unordnung. Das Arrangement von Stuhl und Vorhangstoff auf einem der Blätter erinnert unmittelbar an Adolph von…

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