Ausstellungen: Hamburg , 1990

Michael Hübl

Ausgeleuchtet

Vier Ausstellungen in Hamburg

Hamburg kommt jetzt cool. Für eine kurze Weile lang verdichteten sich die Bemühungen, aufgenommen zu werden in den Club der deutschen Kunst-Großstädte, zu einem Angebot, das durch seinen Umfang ebenso auffiel wie durch seinen Gleichklang. So das erste Resümee, das die Eindrücke einer Tour durch vier Veranstaltungen von höchst unterschiedlicher organisatorischer Provenienz zusammenfaßt. Hier Harald Szeemanns „Einleuchten“ in den Deichtorhallen, da „D&S“ im Kunstverein und im Kunstgebäude, dort neue Hamburger Kunst in der Kampnagelfabrik oder die als „Hamburg Projekt 1989“ über die Stadt verstreuten Künstler-Arbeiten im sogenannten öffentlichen Raum: Das Programm entfaltet sich innerhalb eines schmalen Rahmens, dessen Eckpunkte Arte Povera und Minimal, neue Nüchternheit und Neokonzeptualismus heißen.

Extremwerte sind deshalb nicht ausgeschlossen. Auf der einen Seite die Deichtorhallen mit ihrer aseptisch-sterilen Atmosphäre, in der es nicht verwundern würde, wenn auf Donald Judds Wandstück („Untitled“, 1989) Microchips – bekanntlich ein hochempfindliches Produkt – hergestellt würden, oder auf Keith Sonniers „Cycladic Extrusion II“ (1988) ein Chirurg seelenruhig seinem Handwerk nachginge. Der andere Pol, den das „Hamburg Projekt 1989“ bildet, ist aufgefächert in Blumenkübel, Schaukästen, Postkartenständer, in ein Hotelzimmer, zwei U-Bahn-Stationen und ähnliche Orte, an denen Kunst und Leben, genauer: Kunst und Alltag scheinbar nahtlos ineinander übergehen. Ob Thomas Kunzmann, der nach dem Motto „wir haben was der Westen will“ in einer Vitrine ein opulentes Drogen-Ensemble zur Schau stellt, ob Res Ingold, der an der Alster für eine imaginäre Regional-Fluglinie wirbt, oder die Gruppe ABR Stuttgart, die sich zur Ausgestaltung eines Wartesektors das Hotel „Sphinx“ ausgesucht hat – bei…

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