Ausstellungen: London , 2015

Edgar Schmitz

Barbara Hepworth

»Sculpture for a Modern World«

Tate Britain, London, 24.6. – 25.10.2015

Barbara Hepworths Arbeiten in der Tate Britain, vor allem kleinere Skulpturen und gänzlich im Innenraum, alle auf Sockeln und die meisten in Plastikkästen, erzählen in ihrer beschaulichen und weitgehend chronologischen Galerienabfolge vor allem die Geschichte von Kunst und Abstraktion und einer künstlerischen Biografie. Von den archaisierenden sitzenden Figuren über den Generationskontext der internationalen Moderne in der apolitisch konstruktiven Spielart bis zu den späten Abstraktionen präsentiert die konventionelle Linearität dieser Kunstgeschichte die britische Version einer Moderne, in der sich Versuche gelungen aufheben und zur letztlich abstrakten Formensprache dessen schließen, was sich hier relativ klar und halbwegs überzeugend als internationale Abstraktion der 1960er lesen lässt. Mit Hilfe weitgehend repräsentativ ausgewählter Arbeiten sowie mit Archiv-Material und Mediendokumentationen zeichnet die Ausstellung eine Künstlerbiografie nach, die im Sinne der Anlage sowohl als herausragend als auch als emblematisch vorgeführt wird.

Gleichzeitig sperren sich gegen diese Konstruktion und ihre polemische Gradlinigkeit aber nicht nur die Arbeiten selbst, sondern vor allem auch die Inszenierungsstrategien, mit denen die Erzählung plausibel gemacht werden sollte. Denn was heißt hier eigentlich schon Moderne? Ein Film bindet die Skulpturen an prähistorische Steindenkmäler an und vereinnahmt im formalen Vokabular scheinbar automatisch auch deren Funktionen; die Hartholzgebilde sind gegen die tropische Geschichte ihres Materials abgeschottet; und auch die implizit religiösen Referenzen der Arbeit sind hier auf formales Vokabular zurückgestuft. Auch die Industrialisierung ihrer Produktion ist ein Motiv dieser Erzählung, in der die Bronzen laut Wandtext als Zugeständnis an die gesteigerte Nachfrage nach ihren Arbeiten zu…

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von Edgar Schmitz

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