Titel: Art & Pop & Crossover , 1996

Toni Lienhard

Beatniks & Beat Generation

1955 las Allen Ginsberg in der City-Light-Buchhandlung, San Francisco, sein Gedicht „Howl“ vor: „I saw the best minds of my generation destroyed by madness, starving hysterical naked …“ Ebenfalls Mitte der 50er Jahre schickten Jack Kerouac und ein paar Freunde (leicht besoffen) ein Telegramm an den amerikanischen Präsidenten: „Dear Eisenhower, We love you – You’re the great white father. We’d like to fuck you.“ 1957 veröffentlichte Kerouac „On the Road“.

Man muß sich die USA im Jahr 1955 in Erinnerung rufen. Nach der langen traumatischen Zeit der Wirtschaftsdepression und des Zweiten Weltkrieges herrschten endlich wieder Friede und wirtschaftlicher Aufschwung. Der Konsens im Land war hundertprozentig: Nun galt es, den amerikanischen Traum von Freiheit, Glück und Christentum, von Fortschritt und materiellem Wohlstand zu realisieren. Das gelang einer breiten Mittelschicht: Schon ein paar Jahre nach Kriegsende besaßen viele ihr Einfamilienhaus mit automatisierter Küche und ihr Automobil. Amerika sonnte sich im harmlos-seligen Suburbia.

Für die Politik war Papa Eisenhower in Washington zuständig, und das einzig Bösartige auf der Welt waren die Kommunisten. Aber die waren weit weg, und die USA hatten im Koreakrieg soeben ihre antikommunistische Entschlossenheit gezeigt. Im Landesinnern hatte Senator McCarthy für Ordnung gesorgt. Und über allem strahlte die Bombe, die USA verfügten exklusiv über sie, das gab ein Gefühl von „We are number 1“, Amerika konnte nichts passieren.

In diese insgesamt als heil, hübsch und ungefährdet empfundene Welt schleuderte der elitäre Kreis von Ginsberg, Kerouac und einigen weiteren ihre Provokationen. Sie attackierten den öden Konformismus und den platten Materialismus,…

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von Toni Lienhard

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