Ausstellungen: Porto , 2004

MICHAEL HÜBL

behind the facts.

Interfunktionen 1968 – 1975

Fundació Joan Miró, Barcelona, 20.02.04 – 02.05.04
Museu de Arte Contemporânea de Serralves, Porto, 23.07.04 – 03.10.04
Kunsthalle Fridericianum, Kassel, 11.12.04 – 27.02.05

Geschichte lässt sich nicht planen, auch Kunstgeschichte nicht. Ein Beispiel für die Sprunghaftigkeit historischer Entwicklungen (und für die Macht des historischen Moments) ist die Zeitschrift Interfunktionen. Zeitschrift? Die Ausgaben sehen – verglichen mit damals gängigen Produkten – nicht selten aus, als hätte man spontan Bild- und Textmaterial zusammengetragen. Manchmal waren Originale dazwischen gebunden, denn die Gestaltung der Hefte, von denen insgesamt gerade mal zwölf auf den schmalen Markt kamen, sollte den Intentionen und Themen der Künstler-Autoren entsprechen. Das Layout sollte „direkt“ sein, wie das Ende der 60er-, Anfang der 70er-Jahre hieß. Statt Unterordnung unter ein vorgegebenes graphisches Raster waren Eigenständigkeit und Authentizität angesagt. Ein Anspruch, der nicht selten mit den vorhandenen finanziellen Möglichkeiten kollidierte. Friedrich W. Heubach, der Gründer und Herausgeber der Interfunktionen, hat daran erinnert, dass sich der – ohnehin kurze – Fortbestand der Publikation nicht zuletzt der pekuniären Großzügigkeit von Joseph Beuys verdankte.

Alles pover. Doch trotz der widrigen Umständen gilt das Kunstmagazin Interfunktionen heute als Meilenstein auf dem Weg zur Durchsetzung einer radikal neuen Kunst, die zu sämtlichen Formen gefälliger Ästhetisierung, die affirmativen Operationen der Pop Art inbegriffen, auf kritische Distanz ging. Dabei gab es kein festes Programm, kein Ziel, auf das man definitiv hinarbeitete: Der gemeinsame Nenner bestand zunächst in der entschiedenen Ablehnung des arroganten Snobismus, mit dem, so Heubach, das Kultur-Establishment jener Jahre den innovativen Tendenzen begegnete. Mancher…

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von Michael Hübl

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