Titel: 57. Biennale Venedig - Länderbeiträge Giardini · S. 284
Titel: 57. Biennale Venedig - Länderbeiträge Giardini , 2017

Belgien

Dirk Braeckman

Komissar: Kulturministerium Kuratorin: Eva Wittocx Ort: Giardini

Die Pavillons in den Giardini sind keine simplen Ausstellungshallen, sondern politisch hoch aufgeladene Repräsentationsbauten. Es ist immer wieder spannend zu sehen, wie Künstler diese Architekturen neu interpretieren und in ihre Konzepte integrieren. In diesem Jahr beispielsweise wurde der deutsche Pavillon radikal reduziert und mit einem Hundezwinger umgeben, der koreanische mit einer riesigen Neonreklame aufgepoppt und der kanadische mit großer Geste dekonstruiert. In diesem Kontext überrascht die Ausstellung von Dirk Braeckman im belgischen Pavillon mit einer vornehmen, geradezu musealen Zurückhaltung.

Der 1958 geborene Künstler wollte ursprünglich Maler werden, entschied sich dann aber für die Fotografie. Genauer: für die analoge Fotografie. Jene vom Aussterben bedrohte „Urform“ der Fotografie, die in handwerklicher Arbeit in der Dunkelkammer zum Entstehen gebracht wird. Hier experimentiert Braekman mit verschiedenen Belichtungszeiten und Papieren, lotet Graustufen aus und manipuliert seine Motive.

Braekman geht es nicht um fotografische Bilder, die sich auf den ersten Blick erschließen. Vielmehr um „starke Bilder, die nicht alles preisgeben und es zulassen, dass sich ihre Bedeutung im Dialog mit dem Betrachter herausbildet“. Seine großformatigen Abzüge auf Barytpapier zeigen klassische Motive: Landschaft, Akt, Interieur, Stillleben. Sie wirken wie Traumsequenzen, Erscheinungen, die nie an Raum und Zeit gebunden waren. Und natürlich sind es allesamt Unikate. Wie sehr sich ein Motiv mit analogen Mitteln in der Dunkelkammer variieren lässt, zeigt eine Sequenz von Wellenaufnahmen.

Die Präsentation der monumentalen Abzüge in der Ausstellung ist fokussiert und präzise inszeniert. Eine geradezu museale Schau, die leider mit den Gegebenheiten der Architektur kollidiert. So ist die Beleuchtung über…

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