Titel: 53. Biennale Venedig , 2009

53. BIENNALE VENEDIG: Länderpavillons

Belgien: Jef Geys

Kurator:Dirk Snauwaert / Ort: Giardini

Jef Geys – “Quadra Medicinale”

An Humor und Selbstironie mangelt es Jef Geys mit Sicherheit nicht: „Natürlich weiß ich, dass unglaubliche Gemälde von einem Bund Spargel gemacht worden sind.“ Was den Belgier aber nicht davon abhält, auf derlei traditionelle künstlerische Auseinandersetzung mit dem Edelgemüse zu verzichten und sich stattdessen mit der Erforschung wilder Heilpflanzen im Stadtraum zu beschäftigen. „Quadra Medicinale“ heißt sein neues Projekt, das er im belgischen Pavillon erstmals vorstellt. Seit Ende der 50er Jahre bildet die Frage nach ästhetischen Kategorien und Normen, nach High and Low ein zentrales Thema in Jef Geys Schaffen. Sozialpolitisch engagiert, will er mit seinem komplexen Ouvre verschiedenste Diskurse miteinander verbinden und kommunizieren. Basis seiner künstlerischen Praxis sind interaktive Projekte.
„Quadra Medicinale“ ist ein ehrgeiziges kooperatives Rechercheprojekt, bei dem es um das (Über-)Leben von Menschen und Pflanzen in der Unwirtlichkeit moderner Großstädte geht. Als Ausgangspunkt beauftragte Geys vier in verschiedenen Metropolen lebende Bekannte, in ihrem “Terroir“, also in der vertrauten Umgebung ihres Wohnortes, auf einer Fläche von einem Quadratkilometer zwölf wild wachsende Pflanzen zu sammeln. Getrocknet, botanisch klassifiziert, fotografisch und kartografisch dokumentiert hängen die Ergebnisse dieses Rechercheauftrags nun fein säuberlich an den Wänden des lichtdurchfluteten Ausstellungsraums. Unter den Zufallsfunden, die gemeinhin als „Unkraut“ klassifiziert werden, befinden sich überraschend viele essbare und auch Heilpflanzen. Begleitet wird die Ausstellung von einer Sonderausgabe des „Kempens Information Journal“, das Geys zu jeder seiner Präsentationen produziert. Eigentlich sollte die Zeitung nach dem Motto „Wissen ist Nahrung“ auf essbarem Papier gedruckt werden,…

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von Susanne Boecker

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