Ausstellungen: Duisburg · von Uta M. Reindl · S. 376
Ausstellungen: Duisburg , 1998

Uta M. Reindl

Belu-Simion Fainaru

BAIT/HAUS

Wilhelm Lehmbruck Museum, Duisburg, 10.10. – 8.11.1998

„Das Haus ist ein Gerüst für die Welt,“ schreibt Belu-Simion Fainaru über seine Arbeit, und für ihn ist die Realität ein Haus, dessen Bau stets unvollendet bleibt. Bait/Haus nannte der in Israel lebende Künstler seine Ausstellung im Wilhelm Lehmbruck Museum Duisburg, deren Bildsprache sich durch außerordentliche Subtilität und Vielfalt auszeichnete, stets bezugnehmend auf die jüdische Kultur- und Religionsgeschichte, vor allem aber auf die mit ihr befaßte Literatur.

Paul Celans theologisch begründete Lyrik zur Philosophie des Nichts aus dem Zyklus „Die Niemandsrose“ von 1963 überschrieb die dem Leben gewidmete Ausstellung: die Verse des „Psalm“ hatte der Künstler in großformatigen hebräischen Schriftzeichen in die Wand punktiert. In die Löcher gestopft waren getrocknete Rosenblätter, die – ebenso wie Menschenhaare, Olivenöl oder Erde – das Ouevre des Belu-Simion Fainaru leitmotivisch bestimmen. Wer über den eher reflektiven, stillen Weg jenes Bait/Haus betreten wollte, begegnete dort im rechten Raum der Ausstellung vorwiegend abstrakten und hellfarbenen Exponaten.

In großen Abständen an der Wand angebracht waren da kleine Objekte und Assemblagen: erst das Straßenschild „Geh, proklamiere die Erlösungsstraße“(1997), ein dräuender Männerschatten auf Video-Monitor, schließlich ein hebräisch beschriftetes Ei im Wasserglas und das darüber schwimmende Schiffchen (Beitrag von der documenta IX „you have always to start anew“) oder der in der Wand eingelassene Kupferschlüssel mit blauem Davidstern. Den Innenbereich des Raumes dominierten ein mit Neon ausgeleuchtetes Nomadenzelt (1998, „Das Zelt für den Messias“, zweifellos ein existentielles Symbol des Judentums) und die von der Decke hängende Gips-Skulptur von zwei aneinandergeschmiegten Menschen, deren beider…

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