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Fragen zur Zeit · von Michael Hübl · S. 40 - 43
Fragen zur Zeit ,

Fragen zur Zeit
Beuys am Pool und andere Cocktails

„Trumpism“, die Sehnsucht nach Heilsbringern, die Bereitschaft, „Einander Böses zu tun“ und eine Art Abi-Scherz
Michael Hübl

Beuys mit blutiger Nase: von wegen „Beuys für alle!“, wie 2010 zur Eröffnung der Kunsthalle Vogelmann in Heilbronn proklamiert wurde. Zu Lebzeiten des Künstlers ging es eher mal nach der Parole „Alle gegen einen“ zu. So etwa am 20. Juli 1964 beim „ACTIONS / AGIT-POP / DE-COLLAGE / HAPPE-NING / EVENTS / ANTI-ART / L’AUTRISME / ART TOTAL / REFLUXUS, festival der neuen kunst“ in der Technischen Hochschule Aachen. Der Abend mit dem historisch beziehungsreichen Datum ging als „Demonstration absoluter Intoleranz“in die Geschichte ein. Bei der studentenparlamentarischen Aufarbeitung drei Tage nach der Veranstaltung soll einer der angehenden Akademiker erklärt haben, „wenn das Absurde vorgeführt werde, gebe es nur zwei Möglichkeiten: nach Hause gehen oder dreinschlagen.“2 Das Absurde: Das war der Auftritt des Künstlers, der einen Konzertflügel traktierte. Die Möglichkeit, die gewählt wurde, hatte Beuys’ blutige Nase zur Folge.

Jüngst ging es wieder gegen Beuys. Diesmal nicht mit physischer Gewalt – wie auch, seine Asche wurde in der Nordsee verklappt. Der postume Angriff gegen den Künstler kam rein verbal und auch nicht sonderlich spektakulär daher. Ein Signal der Distanzierung und von daher spätestens seit Hans-Peter Riegels Beuys-Biografie3 nichts Ungewöhnliches. Wahrscheinlich ist es kaum aufgefallen im medialen Erregungsrummel oder wurde überstrahlt von der Leuchtkraft des Objekts, mit dem das Kollektiv „Frankfurter Hauptschule“ die Kolonialismus-Debatte schlaglichtartig illuminieren wollte. Zwei Männer und eine Frau überführten ein Exemplar des Multiples „Capri-Batterie“…

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