Nachrichtenforum: Biennalen , 2000

ECHIGO-TSUMARI ART TRIENNIAL 2000

Es gab schon so manchen Versuch, Kunst gezielt in „Krisengebieten“ einzusetzen. Zumeist geschieht dies in Städten, in herabgekommenen urbanen Zonen, die man mit Hilfe künstlerischer Interventionen aufzumöbeln versucht. Nur wenige solcher Aktionen gelingen, meist hält die Wirkung der als soziales Erste-Hilfe-Pflaster eingesetzten Kunst nur für kurze Zeit. Auch bei der in diesem Jahr erstmals veranstalteten Echigo-Tsumari Art Triennial geht es um „Hilfe durch Kunst“ – jedoch unterscheidet sich dieses anspruchsvolle Projekt sowohl von seinem Ansatz her als auch seiner Größenordnung von ähnlichen Veranstaltungen.
Die „Problemzone“, um die es geht, liegt in Japan, umfasst sechs Stadtverwaltungen und ist 762 Quadratkilometer groß. Ein ländliches Gebiet, in dem seit Jahrhunderten in kunstvoll angelegten Terrassen Reis angebaut wird. Eine Region, in der bis zu sechs Meter Schnee im Jahr fallen. Eine Landschaft, in der – trotz ihrer Schönheit – immer weniger Menschen leben möchten.

Fram Kitagawa, Generaldirektor der Triennale, hat es sich zum Ziel gesetzt, diese Region zu regenerieren und wiederzubeleben. Und zwar nicht mit Hilfe von Wirtschaftsprogrammen, sondern mit Kunst. Der Galerist und Verleger hat bereits Erfahrungen mit ortsspezifischer Kunst in problematischen Gebieten. So realisierte er vor Jahren ein Skulpturenprojekt in einer Retortenstadt am Rande Tokyos. Für die Region Echigo-Tsumari koordinierte er nun ein 10-Jahresprogramm, das die ortsansässige Bevölkerung, internationale Künstler, Architekten und Spezialisten verschiedener Fachgebiete zusammenführt, um gemeinsame Perspektiven zu entwickeln. Künstlerischer Höhepunkt ist die im Dreijahres-Rhythmus veranstaltete Kunstausstellung.
Als Berater für die erste Ausstellung (Budget 600 Millionen Yen) engagierte Fram Kitagawa Jean de Loisy…

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von Susanne Boecker

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