Magazin: Bücher , 2002

Bild.Erzählung.Öffentlichkeit- Die Galerie Schöttle

1968 eröffnete Rüdiger Schöttle seine Galerie, deren Profil Anfang der siebziger Jahre ein minimalistisch-konzeptuelles Programm ausmachte. 1985 zeigte Schöttle in München, Zürich und St. Etienne die Ausstellung „Louis XIV tanzt“. Künstlerliste: Glenn Branca, Dan Graham, Jeff Wall, Ruth Gross. Dazu veröffentlichte Schöttle einen Text in KUNSTFORUM Bd. 81 (S. 152 ff.). Es folgte 1987 zunächst in einer kleinen, dann 1989 in einer großen Version die Ausstellung „Theatergarten Bestiarium“.

Die konzeptkünstlerisch motivierte theoretische Kritik am Bild einerseits und der Rekurs auf die bildhaft-erzählerischen Momente des Barock bilden die beiden kunstwissenschaftlichen Pole der Texte, Gespräche und Künstlerbeiträge, die Heinz Schütz über Rüdiger Schöttle und die von ihm vertretenen Künstler zusammengefasst hat.

Der Fotokünstler Jeff Wall und der Theoretiker Boris Groys beleuchten in einem Gespräch das Verhältnis von Malerei und Fotografie. Dabei geht es um die „Mimisis“ und den „Faktizitätsanspruch“ in der Wiedergabe des Bildsujets. Zugleich geht es um das Selbstverständnis der Avantgarde im 20. Jh., die sich mit einer Tendenz zur abstrahierenden Formauflösung diesem mimetischen Prinzip entzogen hat, das vom Realismus des 19. Jh. nachwirkte. Laut Groys manifestiert sich der Bruch der Avantgarde in der Überzeugung, der „Anspruch, den das Bild erhebt, nämlich etwas Wahres über die Welt außerhalb seiner selbst auszusagen“, sei eine „Illusion“.

In einem anderen dokumentierten Gespräch, nämlich zwischen Heinz Schütz und Dan Graham, taucht analog zu der Groys’schen Einlassung der Begriff „Anti-Narration“ auf. Er beschreibt gleichfalls den „selbstreferentiellen“ Charakter eines Bildtypus, der sich von der klassischen Abbildfunktion emanzipiert hat. Damit verbunden ist die künstlerische Weigerung, in einem veristisch…

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