Titel: Outside USA · S. 236
Titel: Outside USA , 1991

Black American Folk Art

1982 veranstaltete Jane Livingston (zusammen mit John Beardsley), damals noch Kuratorin an der Corcoran Gallery in Washington D.C., die erste grosse Ausstellung, die sich der Black American Folk Art im 20. Jahrhundert widmete. Der Zeitpunkt für eine derartige Kunstpräsentation in den 80er Jahren kam sehr spät, bedenkt man, dass die Musik der schwarzen Amerikaner, der Blues und Soul, den Globus längst erobert hatte. Die Black American Folk Art ist das Resultat einer sich im 18. und 19. Jahrhundert entwickelnden Formensprache, namentlich in den Bereichen der Holzschnitzerei, Quiltnäherei, Töpferei, Schmiedearbeit, Korbflechterei und des Grabschmucks. Diese Ursprünge sind spezifisch und unleugbar afrikanisch, wenn auch in der heutigen Kunst durch die Erfahrung der Schwarzen in einer fremden Kultur modifiziert. So gesehen war die früheste Kunst, die von Schwarzen in Amerika hervorgebracht wurde, Folk Art. Der Begriff meint weniger, wie dies irrtümlicherweise oft angenommen wird, die „handwerkliche“, „folkloristische“ oder „volkskünstlerische“ Ästhetik in den USA, sondern vielmehr den erst in jüngerer Zeit untersuchten Aspekt der amerikanischen Ästhetik der Aussenseiter, Autodidakten, Artbrutisten, Vergessenen, Isolierten, Primitiven und Visionären. Jane Livingston gelang es mit der Ausstellung „Black Folk Art in America: 1930-1980“ (siehe hierzu ihren entsprechenden Beitrag auf den nächsten Seiten), auf ein wahrhaft einzigartiges und historisch festlegbares Phänomen innerhalb der amerikanischen Kunst aufmerksam zu machen, das über Jahrzehnte hinweg praktisch unerforscht, soziologisch unerklärt und kunstgeschichtlich unbekannt geblieben war.

Zuweilen werden die Arbeiten der Künstlerinnen und Künstler der Black American Folk Art von der schieren Persönlichkeitsstärke der Kunstschaffenden überwölbt. Es ist jedoch die spirituelle Kraft dieser…

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