Ausstellungen: München · S. 188
Ausstellungen: München , 1984

Brief aus München

„…der Künstlerschweiß macht die Bilder so teuer.“

Dieser Satz von Arnulf Rainer, aus dem Gedächtnis zitiert, stammt aus einem 1984 entstandenen Fernsehfilm, einer Gemeinschaftsproduktion von ORF, BR und der Utopia Film. Rainer erklärt damit, in der für ihn typischen Mischung aus Ernst und Irreführung des Publikums, die Entstehung seiner Fotoübermalungen. Er meint den Schweiß, der ihm ausbricht, wenn vor seinen Augen ein Foto zu einem abstrakten Liniengefüge wird. Indem er diese Linien aufnimmt, expressiv verstärkt, legt er eine zweite Bildschicht über die erste und bringt so einen vorher verborgenen Inhalt ans Tageslicht, auch wenn es oft nur die Visionen von Rainer selbst sind, die da hervorbrechen.

Bei den in der Galerie Klewan gezeigten Übermalungen von Fotos des Berliner Konzerts 1974 war der Ausgangspunkt ein ganz spezieller: Arnulf Rainer war bei diesem ersten Konzert der „Selten gehörten Musik“ als „körpersprechender Poseur“, wie im Katalog steht, zugegen. Die Aufführenden waren alles gute Bekannte: Attersee, Günter Brus, Hermann Nitsch, Dieter Roth, Gerhard Rühm, Dominik Steiger und Oswald Wiener. Er kannte also die Charaktere seiner Mit- oder Gegenspieler und die jeweilige Situation genau. Daß er selbst immer im vollen Rampenlicht steht, ist verständlich, weil der Fotograf Alexander Prinzjakowitsch in seinem Auftrag arbeitete. Es war also schon vorher viel Künstlerschweiß geflossen, was aber die Auseinandersetzung mit den fertigen Vorlagen nicht erleichtert hat, wie vor allem die häufigen Zerstörungen durch die Bearbeitung zeigen. Es gibt da den ergebenen, vor der Kraft eines Oswald Wiener fast hilflosen Rainer, der dennoch um dessen Gunst buhlt. Dieser Clinch läßt…

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