Ausstellungen: Salzburg , 1985

Helga Köcher

Brief aus Salzburg

Die Mozartstadt Salzburg gilt als Kristallisationspunkt der wichtigsten internationalen musikalischen Kraftfelder. Im Zusammenhang mit Bildender Kunst spricht man weniger von ihr – obwohl seit den 50er Jahren an der von Oskar Kokoschka als »Schule des Sehens« gegründeten Sommerakademie für Bildende Kunst Weltgrößen lehren, obwohl Galerie/Verlag Welz traditionell fundierte Tätigkeit entfalten, obwohl seit einigen Jahren das Museum Rupertinum unter Otto Breicha klassische Moderne erster Qualität zeigt und vor allem die Galerie Thaddäus Ropac ein aufregend gutes Programm zeitgenössischer Kunst durchzieht.

Doch spätestens in diesem Jahr haben die Ereignisse so sehr kulminiert, daß auch international nicht mehr darüber hinweggesehen werden kann. Vor allem zwei Ausstellungen sind bemerkenswert: Im ehemaligen, im Umbau begriffenen Stadtkino neben dem Museum Caroline Augusteum hat Günther Uecker, gegenwärtig so wie die beiden anderen Zero-Künstler Mack und Piene Lehrer an der Sommerakademie, eine atemberaubende Kunstinszenierung geschaffen, möglicherweise sogar einen neuen Prototyp von Präsentation:

Zwischen 1965 und 1972 hat das in Schönberg in Südtirol ansässig gewordene Ehepaar Gerhard und Anneliese Lenz eine Sammlung aufgebaut, die umfassend wie keine andere die europäischen Strömungen der späten fünfziger und frühen sechziger Jahre widerspiegelt, – monochrome Malerei, Nouveau Réalisme, Zero, Kinetik, Konkrete Kunst. Die Kollektion von etwa 200 Werken ist über ein beachtliches Portefeuille früher Werkgruppen von Künstlern wie Arman, Fontana, Yves Klein, Manzoni, Rainer, Soto, Tinguely, Uecker hinaus Dokument des geistig-künstlerischen Neubeginns nach dem II. Weltkrieg. Die Utopie einer Welt ohne Grenzen war es und ein neues Verständnis von Leben, wonach diese Künstler strebten. Die »offene Kultur« war ihr Ziel. Kaum einen…

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von Helga Köcher

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