Ausstellungen: Hannover , 2010

Rainer Unruh

Charles Avery

»Onomatopoeia«

Kunstverein Hannover, 28.8. – 7.11.2010

Wer die Schwelle zum Kunstverein Hannover überschreitet, könnte leicht glauben, er habe sich in ein Völkerkundemuseum verirrt, in dem ein Reisender aus der Zeit der Queen Victoria seine Zeichnungen und Mitbringsel von einem exotischen Ort zur Schau stellt. Man sieht einarmige Schlangen, hundeähnliche Vierbeiner, einen Vogel mit Zylinder in einer Kneipe, ein Schiff, das im Hafen anlegt: lauter Bilder, die das Leben auf einer Insel schildern, die nur als Kopfgeburt eines Künstlers existiert.

Seit mehr als zehn Jahren arbeitet Charles Avery daran, das von ihm erfundene Eiland in Form von Zeichnungen, Skulpturen und Texten darzustellen. Dabei bedient er sich einer seltsam altmodischen Technik, die sich stärker an William Hogarth oder am anspruchsvollen Zeitschriftencartoon orientiert als an zeitgenössischen Künstlern. Kein Wunder, dass der Schotte am Edinburgh College of Art abgelehnt wurde. Dafür hatte der Autodidakt schon mit 24 seine erste Einzelausstellung in der Londoner Entwistle Gallery. Der Titel „Portraits of People Who Never Existed“ deutet an, dass ihn schon damals die Welt des Imaginären beschäftigte. 2003 vertrat er sein Land auf der Biennale in Venedig. Dabei lobte die Jury just das, was die Kunsthochschule in Edinburgh einige Jahre zuvor bestritten hatte, nämlich seine Begabung als Zeichner.

Mit rund 40 Arbeiten zeigt der Kunstverein Hannover nicht nur Averys bislang größte Einzelausstellung. Es ist auch seine Premiere in Deutschland. Sie fällt in einer Zeit, in der das Phantastische boomt. Teenager begeistern sich unter dem Einfluss der Romane von Stephenie Meyer und ihrer Verfilmungen für Vampire, im Kino laden Spektakel…

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