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Ausstellungen: Basel · von Markus Brüderlin · S. 244 - 244
Ausstellungen: Basel , 1985

Markus Brüderlin
Charles Simonds – The Three Trees

Architekturmuseum, Basel, 8. 6. -28. 7. 1985

Der amerikanische Künstler Charles Simonds wurde in den 70er Jahren als eine Art urbaner Wanderchirurg bekannt. In den Rißstellen, Nischen und Zwischenräumen unserer Großstadtarchitektur pflanzte er die gebäudlichen Hinterlassenschaften von utopischen Miniaturwelten einer fernen, oder vielleicht auch ‚zukünftigen Vergangenheit‘ ein. Es waren aus kleinen Tonziegeln und Sand minutiös aufgemauerte Bauten für eine imaginäre Bewohnerschaft, den ‚little people‘, wie er sie nennt.

Seine chirurgischen Eingriffe in den durchrationalisierten urbanen Körper unserer Großstädte waren aber nicht liebliche Behauptungen kindlicher Phantasie, sondern ein Stück Architekturkritik. Die zunehmende Verbetonierung unserer Lebenswelt mit ausdruckslosen, anonymen Containerbauten gehorcht ausschließlich der Logik des Profits und zweckrationaler Bautechnologie und nur mehr selten den individuellen und psychischphysischen Bedürfnissen ihrer Bewohner. Das Unbehagen sowie v. a., die mittlerweile sichtbaren sozialen Deformationen, die man meist vorschnell der funktionalistisch, modernen Architekturdoktrin anlastet, führte seit geraumer Zeit zu einem, über die Disziplingrenzen weit hinausreichenden Kritikbewußtsein, das heute von romantisierender Vergangenheitsflucht bis zu veritablen Vorschlägen auf der Basis gesellschaftlich-technologischer Realität reicht. Die Tiefe der Krise fordert nach der Breite eines umfassenden interdisziplinären Dialogs, der u.a. zeigt, daß Bauen auch unmittelbarer Ausdruck von Lebensweisen, Weltbildern und eine Beheimatung von kulturellem, historischem Bewußtsein und individueller Identität ist.

Weitblickendere Architekten suchten schon in den 70er Jahren im experimentellen Freifeld der Kunst nach einem veränderten Bewußtsein und auch nach praktischen Entscheidungshilfen. Andererseits thematisierten Künstler von sich aus Architektur als Inszenierung von kollektiver Identität und als Erinnerung an vergangene Lebensweisen. Und gerade heute bezieht die Kunst aus diesem…


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von Markus Brüderlin

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