Titel ,

Chile

Voluspa Jarpa

Altered Views
Kommissarin: Varinia Brodsky, Ministerium für Kultur, Kunst und kulturelles Erbe
Kurator: Agustín Pérez Rubio
Ort: Arsenale

Woher kommt der seit Jahrhunderten von Europa ausgehenden Blick auf die Welt, der alle anderen kulturellen Lebensformen herabwürdigt, verdrängt oder vernichtet? Was hat es auf sich mit dem Verhalten des weißen, heterosexuellen, patriarchalischen und die Vormacht beanspruchenden Mannes? Wie erklärt sich sein gewaltsamer Anspruch auf die Welt? Diese Fragen stellt Voluspa Jarpa (geb. 1971) in ihrem Projekt Altered Views (Veränderte Blicke).

Die chilenische Künstlerin ist bekannt für ihre aufwändig recherchierten Werke zu historischen Themen. Für ihr jüngstes Projekt hat sie mehrere Jahre in Archiven und Bibliotheken gearbeitet und von der CIA deklassiertes Material gesichtet. Ihre Ergebnisse präsentiert sie in einem dichten musealen Setting. Der Besucher betritt zunächst das Hegemonische Museum. Hier sind sechs historische Fallbeispiele ausgestellt, an denen sich ablesen lässt, wie die „hegemonische Psyche“ Mechanismen der Unterdrückung ausgebildet hat, aus denen sich dann Konzepte wie „Rasse“, „Imperialismus“, „Zivilisation“, „Kannibalismus“ oder „Geschlecht“ entwickelt haben.

Voluspa Jarpa erinnert an einen Fall von Kannibalismus in Europa (17. Jahrhundert in den Niederlanden), an die Vernichtung einer Frauenpartei durch massive sexistische Herabwürdigungen in der Presse (1848 in Österreich) und an die Zurschaustellung importierter Einheimischer in menschlichen Zoos (1874 von dem Deutschen Karl Hagenbeck erfunden). Sie klärt auf über die vermeintlich wissenschaftlichen Fotografien „hysterischer Frauen“ (in der Pariser Salpêtrière durch Jean Martin Charcot), erläutert die Entstehung des Begriffs „Bananenrepublik“ (die strategische Entmachtung des Präsidenten von Guatemala durch die amerikanische United Fruit Company) und enthüllt das geheime Zusammenwirken von „Stay-behind-Armeen“, mit…

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von Susanne Boecker

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