Ausstellungen: Berlin , 2014

Matthias Reichelt

Christoph Schlingensief

»Mir ist es wichtig, mich Leuten zu nähern, vor denen ich vielleicht auch ein bisschen Angst habe.«

Kunstwerke, Berlin, 1.12.2013 – 19.1.2014

An dem notorisch umtriebigen und 2010 nach schwerer Krankheit mit nur 49 Jahren gestorbenen Christoph Schlingensief scheiden sich immer noch die Geister. Er war allen sofort sympathisch und sein Charme öffnete die Türen für die gewagtesten Projekte. Der Slogan „Scheitern als Chance“ der von ihm gegründeten Partei „Chance 2000“ könnte genreübergreifend als Motto über dem Werk Schlingensiefs stehen, das nie elaboriert und glatt, sondern immer disparat ist und auch Misslungenes enthält. Wie in Versuchsanordnungen ließ er in verschiedenen Formaten Prominente, Künstler und ganz Unbekannte aufeinandertreffen und trat selber als polarisierender Moderator auf. In den Theaterstücken wagte er sich immer an die großen Themen und Fragen und brachte sie mit affektivem Zorn und Spieltrieb und dem Mut zur banalisierenden und trashigen Geste in eine neue ästhetische Form. Die traditionellen Regeln des Filmes wie auch des Theaters hat er dabei konsequent ignoriert, ebenso wie die Grenze zwischen Bühne und Zuschauerraum. Die Randzonen der Gesellschaft ins Zentrum zu rücken, Behinderte nicht auszugrenzen und sie als Schauspieler auf die Bühne zu holen, ohne sie lächerlich zu machen, das war ein großes Verdienst von Schlingensief. Unvergesslich, wie Achim von Paczensky (1952–2009) Heiner Müller oder Hildegard Knef spielte oder Mario Garzaner, der spätere Hauptkandidat der Partei „Chance 2000“, kongenial als R. W. Fassbinder auftrat.

In den starken Momenten seiner Filme und Theaterstücke verwurstete Schlingensief gekonnt Geschichte und Politik, um sie als Farce zu starken Bildern…

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