Ausstellungen: Köln/Bern · von Reinhard Ermen · S. 357
Ausstellungen: Köln/Bern , 1991

Reinhard Ermen

Christopher Wool

Kölnischer Kunstverein, 27.4. – 16.6.1991

Anschließend Kunsthalle Bern

Christopher Wool (Jg. 1955, lebend und arbeitend in New York) macht seit wenigen Jahren von sich reden; in „Metropolis“ ist er dabei, auch für die documenta IX wurde er bereits erwählt. Die Ausstellung in Rotterdam, Köln und Bern ist seine erste umfassende Einzelausstellung in Europa.

Wool arbeitet mit Stempeln und Tapetenrollern, seit zwei Jahren auch verstärkt mit Buchstabenschablonen, von wenigen Ausnahmen abgesehen Schwarz auf Weiß. Bildträger sind verstärkete Aluminiumplatten. Die Betrachtung entzündet sich an den Buchstabenbildern. Anfängliche Assoziationen zu den Sprüchen von Holzer und Kruger verflüchtigen sich schnell. Holzer und Kruger schreiben Sätze (mit unterschiedlichen Materialien), Wool „schreibt“ nicht, er malt bzw. buchstabiert, indem er malt. Er buchstabiert Worte, gelegentlich auch Gebilde von bis zu elf Zeilen, die aussehen können wie Sätze. Doch deren Sinn erscheint durchaus zufällig, die Zeichen fügen sich zu Ornamenten, meist „Ohne Titel“: THESHOWISOVER THEAUDIENCEGETUPTOLEAVETHEIRSEATS TIMETOCOLLECTTHEIRCOATSANDGOHOME THEYTURNEAROUND NOMORECOATS ANDNOMOREHOME. Sprache wird praktiziert um der Buchstaben, vielleicht um der sichtbaren Laute willen, am prägnantesten in den kurzen Worten, die über zwei Zeilen gebrochen sind, DOG, RUN; in der zweiten Zeile bleibt ein freies Feld unter dem O oder dem U. Weiß schweigt! Ein Wort wird abgekürzt, damit es in die Viererordnung des Zweizeilers passt: TRBL. Trotzdem klingt das gemalte Wort. Der deutsche Betrachter sieht ein englisches bzw. ein amerikanisches Wortbild, er übersetzt nicht. DOG mit dem weißen Feld geht, HUND wäre unmöglich.

Bricht der Betrachter aus den waagerechten Zeilen, deren Leserichtung vom Wortsinn diktiert ist, aus, entwickeln die Bilder eine strenge…

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