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Titel: Farbe und Skulptur II · von Ingrid Rein · S. 82 - 85
Titel: Farbe und Skulptur II , 1983

Clemens Kaletsch

Die Malerei der vielen Gesichter

von Ingrid Rein

Der Drang zur Veränderung aus dem Drang, den Dingen von verschiedenen Seiten und Warten auf die Spur zu kommen. Das Bedürfnis, diese Erfahrungen mal unmittelbar am Gegenstand, mal aus der Distanz eines anderen Mediums zu überprüfen. Eine Arbeits- und Malwut wie bei Arnulf Rainer, seinem Lehrer an der Wiener Akademie, angeheizt von dem Wunsch, dem Bild im Kopf nahezukommen. Gleichzeitig das Recht

auf Irrtümer, auf Zweifel, auf nicht weiterwissen in einzelnen Punkten und die ruhige Selbstgewißheit, sich nicht vom Betrieb drängen zu lassen, den Erfahrungsprozessen die nötige Zeit einzuräumen. Solche Beobachtungen stellen sich ein beim Durchsehen ganzer Stapel von Bildern, Stößen von Papierarbeiten, von übermalten Siebdrucken und Plakaten und den oft fragilen Skulpturen des 25jährigen Clemens Kaletsch.

Aus Lust auf Veränderung, aus Neugier, was dabei wohl herauskommt, hatte er schon als Schüler, oft alle zwei Tage, sein Zimmer umgeräumt. Unter einem Tuch an der Decke saß er dann als Sultan im Zelt. Weniger phantastisch, dafür psychisch aufgeladen, kehrt dieser frühe Szenenwechsel als „Standpunkt“-Wechsel in seinen Bildern wieder: „Standpunkte“, unsichere, nicht immer zu haltende Positionen hoch oben auf schwankenden Plateaus, sie „werden ergriffen, sind abgegriffen“, sagt Kaletsch, neue kommen in Sicht.

Standpunktwechsel führte im vergangenen Jahr zur Lösung, als beim Malen immer wieder nur räumlich zu verwirklichende Vorstellungen auftauchten. Kaletsch versuchte sie in farbige Plastiken umzusetzen, oft labilen, anlehnungsbedürftigen Gebilden auf dünnen Stock- oder schwankenden Balkenbeinen. Schnell gearbeitet, oftmals überarbeitet wie die meisten Bilder, entstanden aus Holzbalken, Brettchen, Latten und Tonelementen totemistische Grenzgänger zwischen Malerei und Skulptur….

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