Titel: Parallele Kunst , 1992

Collaborative Projects, New York

Von Alan Moore und Marc Miller

I.

„Collaborative Projects“ (Colab) ist eine Gruppe, die das Milieu der späten 70er Jahre widerspiegelt. Als die Baby-Boom-Generation, die an der Vielzahl der Kunstpublikationen des vorangegangenen Jahrzehnts geschult worden war, über die Kunstwelt hereinbrach, stellte sie fest, daß nicht alles so offen war. Während Warhol vielleicht noch sofortige Berühmtheit erlangte, sah sich diese neue Generation mit einem Markt konfrontiert, der auf die Vergangenheit fixiert war, der einen Schwerpunkt auf nichtwarenmäßige Kunst setzte und einen Hang zu neuen und teuren Medien hatte. Um mit dieser Situation fertigzuwerden, fand sich Colab zusammen – eine Gruppe von Künstlern, die Subventionen auftreiben, Ausstellungen organisieren und sich ihre technische Ausstattung teilen wollte. Gleichzeitig mit dieser damals einmaligen Künstlervereinigung wuchsen die alternativen Räume. Diese große Expansion des nicht-kommerziellen Sektors der Kunstwelt wurde durch die neu zur Verfügung stehenden nationalen und bundesstaatlichen Subventionen ermöglicht.

Anfangs bestand Colab aus ungefähr 40 Künstlern, die sich jeden Monat in einem anderen Loft trafen. In diesem offenen Forum war der damalige Filmemacher Michael McClard bei der Formulierung der Zielrichtung dieser neuen Gruppe maßgeblich beteiligt. Colab erhielt schon bald 6000 Dollar vom „National Endowment for the Arts“ und war so in der Lage, seine Wünsche zu verwirklichen. 1977 und 1978 bestanden die Hauptaktivitäten der Gruppe in Filmvorführungen, privaten wie öffentlichen, die im kurzlebigen New Cinema am St. Mark’s Place im East Village kulminierten. Colab produzierte auch eine Nachrichtensendung für das Kabelfernsehen, „All Color News“, und veröffentlichte „X Motion Picture Magazine“, eine gemeinschaftlich herausgegebene Zeitschrift über Film,…

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