Titel: Video-Special , 1989

Friedemann Malsch

Das Dilemma der Großfamilie -3.Videonale Bonn

Bonn, Kunstverein, 11.-16.9.1988

Kein Zweifel, die Infrastruktur für Kunstvideos erlebt einen Boom. Nicht nur die Zahl der Festivals steigt ständig, auch traditionelle Filmfestivals beginnen sich der Videokunst zu öffnen, wie man jetzt auch in Osnabrück deutlich machte. Auch Museen und andere Kulturinstitutionen haben den Zug der Zeit erkannt und öffnen ihre Pforten der Videokunst. Dies geschieht zwar noch zaghaft und meist unter bescheidensten finanziellen Voraussetzungen, dennoch deutet es auf einen zunehmenden Wandel der Verhältnisse hin.

Unter diesen Vorzeichen stand auch die dritte Ausgabe des Bonner Festivals, des einzigen in der BRD, das in einem breiteren Umfang die internationale Entwicklung in diesem Medium präsentiert. Die nominelle Unterstützung (durch den Bundespräsidenten) und die wesentlich verbesserte finanzielle Ausstattung (s. Kasten) erlaubten eine repräsentativere Präsentation. Dennoch konnte das Festival einen seiner Ansprüche nicht erfüllen: ein Forum für die Videokunst zu sein. Die Gründe hierfür lagen deutlich in organisatorischen Mängeln (nach dem Ausscheiden der beiden Mitgründer und -Organisatoren Bärbel Moser und Dieter Daniels war allein Petra Unnützer mit einer Assistentin verantwortlich, für eine Veranstaltung dieser Größenordnung eindeutig zu wenig) und besonders in einer ungenügenden, wenn nicht gar überhaupt fehlenden inhaltlichen Vorabklärung des Selbstverständnisses. Die Jury erkannte diese Situation und formulierte in ihrer Abschlußerklärung konstruktive Kritik: „Bei der diesjährigen Auswahl mußte die Entscheidung der Jury der Tatsache Rechnung tragen, daß die meisten der vorliegenden Bänder aus den Vereinigten Staaten kamen.“

In der Tat war das Übergewicht amerikanischer Bänder mit fast 50% des gesamten Programms erdrückend. Verschiedene europäische Nationen waren dagegen gar nicht vertreten…

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