Magazin: Kulturpolitik , 1993

Andreas Denk

»Das entspricht dem Wesen der Demokratie…«

Auch beim im Oktober eingeweihten Plenarsaalneubau Günter Behnischs in Bonn galt: Gesetzlich vorgeschriebene zwei Prozent der Bausumme sind für „Kunst am Bau“ auszugeben. Von den 256 Millionen Mark Realkosten – die Reparatur der in den ersten Sitzungen tückischen Mikrophonanlage dürfte wohl die Herstellerfirma Siemens übernehmen – entfallen etwa 4,45 Millionen auf die Anschaffung von Kunstobjekten.

Zwar postulierte Deutschlands angesehenste Bauzeitung „Bauwelt“, daß es für die wenigen Abgeordneten, die überhaupt zu Bundestagssitzungen erscheinen – im Schnitt sind es drei Prozent – „auch eine Kneipe täte“. Dennoch gründete der Bundestag für die künstlerische Ausstattung seiner temporären Heimstatt einen besonderen Beirat, dem Vertreter der Bundestagsverwaltung, der Bundesbaudirektion, des Bauministeriums und der Bundestagsfraktionen angehörten. Sie entschieden über Vorschläge, die Peter Iden (Frankfurter Rundschau) und Ingrid Mössinger (Art Frankfurt) als Sachverständige unterbreitet hatten, und empfahlen sechs Künstler, um Behnischs Bau angemessen zu bestücken.

Nach dem über Gebühr breitgetretenen Hickhack um den Bundesadler (der alte Ludwig-Gies-Gipsadler zersägt und angeblich nicht mehr wiederherzustellen – der neue Entwurf in Aluminium vom Büro Behnisch den Gies-Erben als Rechteinhaber nicht genehm), der schiedlich-friedlich mit der Einigung der Beteiligten endete, hat nun die Auswahl der Kunst-Kommission für die erwartete Aufregung gesorgt. Dabei hat der Beirat solide und wenig provozierende, sozusagen „kunsthistorisch gesicherte“ Positionen ausgewählt, die sich gegen Behnischs im Innern manchmal zu detailreichen Bau nicht ohne Probleme behaupten.

Im Umfeld des eigentlichen Sitzungssaals hat Sam Francis eine großformatige Malerei in die dem Rhein zugewandte hintere Lobby des neuen Plenarsaals gehängt. Nicola de Maria, der ursprünglich nur die Decke…

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